Dieser Beitrag erforscht Praktiken der Nicht-/Behinderung im institutionellen Kontext professioneller Demenzpflege. Behinderung wie auch Nichtbehinderung werden dabei als soziale Praktiken betrachtet, die durch wechselseitige Bezugnahmen situativ von den Interaktionsteilnehmer*innen selbst hervorgebracht werden. Aus einer interaktionssoziologischen Perspektive werden sprachliche, affektive, haptische und zwischenkörperliche Praktiken der Nicht-/Behinderung betrachtet, die den konkreten Umgang mit unbelebten Objekten, Tieren und Robotern mitgestalten und zugleich von den Interaktionsteilnehmer*innen als Ressourcen zur Initiierung und Fortführung ihrer Interaktionen genutzt werden. Auf der empirischen Grundlage von videobasierten Interaktionsanalysen wird gezeigt, wie sprachlich-reflexive Praktiken Handlungskoordinationen mit Menschen mit Demenz behindern, während haptische, affektive und zwischenkörperliche Praktiken die Koordination gemeinsamer Handlungen ermöglichen. Auch Objekte, Tiere und Roboter können in unterschiedlichen Graden an diesen Interaktionen teilnehmen, wenn sie spezifische materielle, haptische und zwischenkörperliche Qualitäten besitzen, die für menschliche Interaktionspartner*innen mit und ohne Demenz gleichermaßen interaktional anschlussfähig sind und zum Beispiel basale Formen von Emotionalität, Reziprozität und Verständigung ermöglichen.

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Praktiken der Nicht-/Behinderung

  • Christian Meier zu Verl

摘要

Dieser Beitrag erforscht Praktiken der Nicht-/Behinderung im institutionellen Kontext professioneller Demenzpflege. Behinderung wie auch Nichtbehinderung werden dabei als soziale Praktiken betrachtet, die durch wechselseitige Bezugnahmen situativ von den Interaktionsteilnehmer*innen selbst hervorgebracht werden. Aus einer interaktionssoziologischen Perspektive werden sprachliche, affektive, haptische und zwischenkörperliche Praktiken der Nicht-/Behinderung betrachtet, die den konkreten Umgang mit unbelebten Objekten, Tieren und Robotern mitgestalten und zugleich von den Interaktionsteilnehmer*innen als Ressourcen zur Initiierung und Fortführung ihrer Interaktionen genutzt werden. Auf der empirischen Grundlage von videobasierten Interaktionsanalysen wird gezeigt, wie sprachlich-reflexive Praktiken Handlungskoordinationen mit Menschen mit Demenz behindern, während haptische, affektive und zwischenkörperliche Praktiken die Koordination gemeinsamer Handlungen ermöglichen. Auch Objekte, Tiere und Roboter können in unterschiedlichen Graden an diesen Interaktionen teilnehmen, wenn sie spezifische materielle, haptische und zwischenkörperliche Qualitäten besitzen, die für menschliche Interaktionspartner*innen mit und ohne Demenz gleichermaßen interaktional anschlussfähig sind und zum Beispiel basale Formen von Emotionalität, Reziprozität und Verständigung ermöglichen.