Zu Beginn der 1960er-Jahre eröffneten sich neue filmtechnische Möglichkeiten für Dokumentationen, zugleich stieg das Interesse an der Beobachtung ökonomischer und soziokultureller Prozesse von Sportveranstaltungen und ihrer medialen Durchdringung. Die Tour de France als Sport- und Medienspektakel mit internationaler Aufmerksamkeit ist das Sujet von Tortur de France (BRD 1960), einer Fernsehproduktion von Dieter Ertel, und Vive le Tour (F 1962), einem Kurzfilm von Louis Malle. Ein Vergleich der beiden zeitnahen Produktionen im Beitrag zeigt ihren jeweiligen Blick auf den Aufwand der Sportgroßveranstaltung. Der analytische Fokus von Ertels und Malles filmisch-dokumentarischen (Re-)Konstruktionen der Tour de France ist auf das Mediensportspektakel und die Verschränkungen der Bedingungen des Dokumentarfilms und des professionellen Straßenradsports gerichtet. Beide Filme demonstrieren deren Grenzen in Anbetracht von körperlichen Leiden und unvorhersehbaren Unfällen. Damit wird deutlich gemacht, dass bei einer Veranstaltung wie der Tour de France das soziokulturelle Ereignis nicht losgelöst betrachtet werden kann vom sportlichen Wettbewerb und seiner medialen Präsentation.

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Neue Ansichten und alte Leiden. Die dokumentarische Konstruktion des Radsportspektakels in Tortur de France und Vive le Tour

  • Jan Henschen

摘要

Zu Beginn der 1960er-Jahre eröffneten sich neue filmtechnische Möglichkeiten für Dokumentationen, zugleich stieg das Interesse an der Beobachtung ökonomischer und soziokultureller Prozesse von Sportveranstaltungen und ihrer medialen Durchdringung. Die Tour de France als Sport- und Medienspektakel mit internationaler Aufmerksamkeit ist das Sujet von Tortur de France (BRD 1960), einer Fernsehproduktion von Dieter Ertel, und Vive le Tour (F 1962), einem Kurzfilm von Louis Malle. Ein Vergleich der beiden zeitnahen Produktionen im Beitrag zeigt ihren jeweiligen Blick auf den Aufwand der Sportgroßveranstaltung. Der analytische Fokus von Ertels und Malles filmisch-dokumentarischen (Re-)Konstruktionen der Tour de France ist auf das Mediensportspektakel und die Verschränkungen der Bedingungen des Dokumentarfilms und des professionellen Straßenradsports gerichtet. Beide Filme demonstrieren deren Grenzen in Anbetracht von körperlichen Leiden und unvorhersehbaren Unfällen. Damit wird deutlich gemacht, dass bei einer Veranstaltung wie der Tour de France das soziokulturelle Ereignis nicht losgelöst betrachtet werden kann vom sportlichen Wettbewerb und seiner medialen Präsentation.