Zur Zeitlichkeit von Emotionen
摘要
Das Thema Zeit kam in der bisherigen philosophischen Debatte zu Gefühlen allenfalls in zwei Hinsichten vor: Zum einen teilt man weitgehend die Annahme, dass Emotionen episodische Phänomene sind. Zum anderen wurde das Konzept der Narration, die mit zeitlicher Erstreckung verbunden ist, zur Erläuterung von Emotionen herangezogen. Dieser Text skizziert dagegen drei neue Fragenkomplexe im Themenbereich Emotion und Zeit, die in Zukunft vertieft werden könnten und sollten: Die Frage, ob man Emotionen nach ihrer zeitlichen Ausrichtung einteilen kann, betrifft insbesondere die Diskussion der Klassifikation von Emotionen. Überlegungen dazu, wie lange Emotionen üblicherweise andauern, sind eine Erweiterung der Diskussion zur Angemessenheit (allgemeiner der Rationalität und Intentionalität) von Emotionen. Eine Erörterung der Möglichkeit genuin emotionaler Erinnerung, das heißt, ob die früher ursprünglich erlebte Emotion erinnernd noch einmal erlebt werden kann, so wie man sich einen visuellen Eindruck phänomenal und nicht nur präpositional ins Gedächtnis rufen kann, kann als Herausforderung für Erläuterungen der spezifischen Phänomenalität von emotionalen Zuständen gesehen werden. Nach einer kurzen Einführung in den jeweiligen Diskussionsstand werden die Themen in größere Zusammenhänge eingeordnet, um Möglichkeiten der weiteren Entfaltung der Themen, auch im Austausch mit anderen Disziplinen oder anderen philosophischen Unterdisziplinen, anzudeuten.