Affektivität erschließt Bedeutsamkeit, ermöglicht Bezugnahmen auf evaluative Aspekte der Wirklichkeit und verknüpft die Anliegen fühlender Personen mit jenen Begebenheiten, die dafür relevant sind. Dies gilt für das Gefühlserleben von Individuen, aber auch auf gesellschaftlicher Ebene, insofern die sozial eingespielte Affektivität Muster der Bedeutsamkeit anlegt, die den Rahmen des Angemessenen abstecken und das Fühlen gesellschaftlicher Akteur:innen orientieren. Weniger Aufmerksamkeit hat bisher erfahren, dass Affektivität auch an der Abwehr oder Neutralisierung möglicher Weltbezüge beteiligt ist. Vieles, das Anteilnahme verdiente und in der Reichweite affektiver Bezugnahmen liegt, wird affektiv abgeblendet, auf Distanz gehalten, ja regelrecht ‚entwirklicht‘. Der vorliegende Beitrag schlägt für diese affektive Wirklichkeitsabwehr auf gesellschaftlicher Ebene den Begriff des Ungefühlten vor. Ziel des Textes ist es, dieses Konzept als Reflexionsbegriff einer kritischen Sozialphilosophie der Gefühle zu profilieren. Den Bezugspunkt bildet die eskalierende Klima- und Umweltkrise, deren gesellschaftliche Thematisierung auch Konflikte um das „richtige Fühlen“ umfasst.

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Das Ungefühlte. Affektivität und Wirklichkeit in Zeiten der ökologischen Katastrophe

  • Jan Slaby

摘要

Affektivität erschließt Bedeutsamkeit, ermöglicht Bezugnahmen auf evaluative Aspekte der Wirklichkeit und verknüpft die Anliegen fühlender Personen mit jenen Begebenheiten, die dafür relevant sind. Dies gilt für das Gefühlserleben von Individuen, aber auch auf gesellschaftlicher Ebene, insofern die sozial eingespielte Affektivität Muster der Bedeutsamkeit anlegt, die den Rahmen des Angemessenen abstecken und das Fühlen gesellschaftlicher Akteur:innen orientieren. Weniger Aufmerksamkeit hat bisher erfahren, dass Affektivität auch an der Abwehr oder Neutralisierung möglicher Weltbezüge beteiligt ist. Vieles, das Anteilnahme verdiente und in der Reichweite affektiver Bezugnahmen liegt, wird affektiv abgeblendet, auf Distanz gehalten, ja regelrecht ‚entwirklicht‘. Der vorliegende Beitrag schlägt für diese affektive Wirklichkeitsabwehr auf gesellschaftlicher Ebene den Begriff des Ungefühlten vor. Ziel des Textes ist es, dieses Konzept als Reflexionsbegriff einer kritischen Sozialphilosophie der Gefühle zu profilieren. Den Bezugspunkt bildet die eskalierende Klima- und Umweltkrise, deren gesellschaftliche Thematisierung auch Konflikte um das „richtige Fühlen“ umfasst.