„Chef per Los?“
摘要
Das meritokratische Paradigma westlicher Kulturen beruht auf der Überzeugung, dass Erfolg hauptsächlich auf persönliche Eigenschaften wie Talent, Intelligenz, Fähigkeiten, Klugheit, Anstrengung, Willenskraft, harte Arbeit oder Risikobereitschaft zurückzuführen ist. Der vorliegende Beitrag zeigt, dass auf Winner-take-all-Märkten externe Umstände eine maßgebliche Rolle bei der Erzielung bedeutender Erfolge spielen: Die Zugehörigkeit zu angesehenen sozialen Statusgruppen, Vererbung und Kumulation vorangegangener Erfolge und eine Portion Glück bei Erstmalerfolgen begründen zu großen Anteilen, wer erfolgreich ist und wer nicht. Wenn nun aber glückliche Umstände eine so maßgebliche Rolle bei der Bestimmung der Gewinner*innen spielen, stellt sich die Frage, warum diese Umstände nicht systematisch in Auswahlverfahren angewendet werden. In der Geschichte wurden Lotterien oft in Entscheidungsprozessen im Militär, der Politik und Regierungen angewendet. Es wird gezeigt, dass die systematische Anwendung des Zufallsprinzips in Selektionsverfahren die Chancengleichheit auf Winner-take-all-Märkten erhöht und gleichzeitig die soziale Ungleichheit auf diesen Märkten verringert. Für mehr Startchancengleichheit und weniger soziale Ungleichheit auf Winner-take-all-Märkten plädiert dieser Beitrag für die Wiederentdeckung des Losverfahrens als Praxis der Entscheidungsfindung. Eine systematische Anwendung des Zufalls ist bei weitem vernünftiger als eine Aberkennung der Rationalität durch irrationale Qualitätsauslese. Zur Anwendung kommen sollte eine Kombination von Losverfahren mit einer auf Qualifikation abzielenden Vorauswahl, also die fokale Zufallsauswahl. Ein solches System ist gerechter als das heutige System scheinbar rationaler Leistungsauswahl, das rationaler Grundlagen leider oft entbehrt.