Zwischen Persistenz und Wandel: Deutungen sozialen Aufstiegs im Zeitverlauf
摘要
Das Versprechen, dass man es im Leben zu etwas bringen kann, wenn man sich anstrengt, stellt eine tragende Säule der kulturellen Ordnung kapitalistischer Marktgesellschaften dar. Seit einiger Zeit stellen soziologische Zeitdiagnosen allerdings die Erosion eines solchen auf meritokratischem Wettbewerb basierenden Leistungsprinzips fest. Vor diesem Hintergrund untersuche ich für den Zeitraum von 1976 bis 2014, inwiefern es zu einer Verschiebung in der Struktur der Aufstiegsdeutungen in der deutschen Gesellschaft gekommen ist. Dabei lässt sich keine allgemeine Erosion des Leistungsglaubens bei den Befragten feststellen. Gleichzeitig nimmt allerdings über den betrachteten Zeitraum eine herkunftsbezogene Aufstiegsdeutung unter den Befragten zu. Die Deutung sozialen Aufstiegs als Resultat sozialer Herkunft hat zwar in allen Schichten zugenommen, in Oberschicht und Teilen der Mittelschicht konnte eine entsprechende Deutung sozialen Aufstiegs allerdings die größten Zuwächse verzeichnen. Insgesamt relativieren die Ergebnisse den oftmals attestierten Meritokratieglauben innerhalb der Mittelschichten, da hier durchaus interne Differenzierungen und Fluktuationen zu beobachten sind. Gerade die zunehmende Überzeugung, dass Erfolg stark von der sozialen Herkunft abhängig ist, kann zudem als Hinweis auf Irritationen bei bestimmten Segmenten gedeutet werden.