Ökonomisierung und Pluralisierung des Wohlfahrtskorporatismus
摘要
Im Sozial- und Gesundheitssektor zeigt sich in den letzten Jahrzehnten sowohl ein Wachstum der sozialen Dienste als auch eine Pluralisierung der Trägerlandschaft. Diese hat sich durch die Ökonomisierungstendenzen weiter ausdifferenziert, nun bieten auch private Unternehmen in einzelnen Sektoren (etwa der Altenhilfe) ihre Dienste an. Neben den großen und traditionsreichen Wohlfahrtsverbänden mit Hunderttausenden von Mitarbeitenden haben sich so weitere „Player“ etabliert, die das System der Wohlfahrtsproduktion in Deutschland erweitern. In den Einrichtungen der etablierten Verbände breiten sich durch die Ökonomisierung Managementstrategien aus, die das klassische Leitbild der freigemeinnützigen Wohlfahrtspflege gefährden können. Das alte korporatistische Ordnungsmodell mit engen Verflechtungen zwischen dem Staat und den Verbänden hat sich ebenfalls entgrenzt; hybride Organisationsformen gewinnen an Bedeutung. Eine wesentliche Ressource und ein Legitimationsfaktor der etablierten Wohlfahrtspflege, das ehrenamtliche Engagement, schrumpft zudem. Die Singularisierung hat Folgewirkungen auf die Organisationsidentität und –praxis gerade von Großverbänden. Viele Menschen sind in den letzten Jahren – auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie – ins Private geflüchtet und dieser Trend geht weiter. Um eine zukunftsfähige Versorgung mit sozialen Diensten zu gewährleisten, sind deshalb alle Institutionen aufgefordert, über die klassischen „Silos“ hinaus neue strategische Allianzen aufzubauen.