Fürsorge, Fürsprache, Führung – Perspektiven der Leitungsebene
摘要
Leitungspersonal in Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe sieht sich im Aufgabenfeld zwischen Fürsorge und Führung. Die Verantwortlichen wurden gesondert befragt. Sie mussten während der Corona-Pandemie schwerwiegende Entscheidungen treffen. In die WoGe-Studie „Wohnen in Gesundheit“ waren deutschlandweit Wohnangebote mit verschiedenen Profilen und in unterschiedlichen Regionen einbezogen. Meist lagen Notfallpläne für Gemeinschaftsunterkünfte vor, die aber den Anforderungen der Pandemie nicht genügten. Es mangelte zunächst an erforderlichem Material und stets an kundigem Personal, unterstützenden Verfahren sowie an Wissen. Selbständigere Bewohnerinnen und Bewohner forderten die Anbieter heraus, wobei soziale Teilhabe den Schutzanliegen weichen musste. Mit Behörden gestaltete sich der Umgang konfliktreich. Schutzmaßnahmen waren vor allem Kontaktverbote. Termine und Besuche wurden ausgesetzt. Oft waren soziale Kontakte über Monate auf fachliche Betreuung reduziert. Den Leitungspersonen war bewusst, so nicht angemessen den Kernaufgaben Rehabilitation, Teilhabe, Selbstbestimmung nachzukommen. Ihr Fokus lag auf stabiler Versorgung mit spezifischen Dienstplänen und „social distancing“. Dies wurde im Pandemie-Verlauf schrittweise gelockert oder aufgehoben. Personalengpässe ließen sich kaum puffern. Wachsende digitale Kompetenz in Kommunikation und Information wirkte hingegen hilfreich. Aus Leitungssicht darf sich keine entsprechende Krisensituation wiederholen. Um zeitnah präventiv gegenzusteuern werden mehr öffentliche Anerkennung, politische praxisnahe Unterstützung und zuallererst angemessene personelle Ausstattung gefordert. Zudem müssen künftige Regulierungen die Ziele der Eingliederungshilfe verstehen, achten und einbeziehen.