Der Mann ohne Eigenschaften oder das Ringen um feudal-aristokratische Fassung im postimperialen Raum
摘要
Der Beitrag fokussiert jene Aspekte in Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften, die das Romanprojekt als den grandiosen essayistischen Versuch einer Abmessung des posthabsburgischen Raums ausweisen. Dabei soll in einer literatursoziologischen Tiefenanalyse herausgestellt werden, inwieweit Musil den Moment der ‚ausgehöhlten‘ feudal-aristokratischen Vorprägungen resp. das „Barock der Leere“ inhaltlich wie formal und auf der wissenschaftlichen Höhe der Zeit einzufangen versuchte. Er steckte damit gewissermaßen literarisch die ‚Hohlform‘ ab, in der sich die zentraleuropäischen postimperialen Gesellschaften und ihre Demokratien damals bewegten. Das damit verbundene Vorhaben, dem Fehlen demokratischer Deduktionsgrundlagen das zukunftsweisende Konzept eines Möglichkeits- und Gestaltungsraums entgegenzuhalten, gilt es vor allem in Anbetracht des Wiedererstarkens imperialer Narrative und zunehmender Polarisierungen und Verzerrungen in öffentlichen Debatten ausdrücklich in Erinnerung zu rufen.