Sind die vielen neuen, durch die Nutzung von KI-Technologie entstandenen Handlungsmöglichkeiten ethisch zu rechtfertigen? Beim Versuch, diese Frage zu beantworten, wird Ethik zur KI-Ethik, d. h., sie fokussiert auf den Kreis dieser Möglichkeiten, versucht die Folgen der entsprechenden KI-Anwendungen für den Menschen und das menschliche Miteinander abzuschätzen und bewertet diese Abschätzungen im Lichte normativ-ethischer Theorien. Der nachfolgende Beitrag nimmt zunächst die Besonderheiten in den Blick, die eine Ethik charakterisieren, die sich mit den Folgen des Einsatzes moderner Technologien auseinandersetzen muss, zumal, wenn es sich um eine Technologie handelt, die das menschliche Denken ersetzbar zu machen scheint und versucht dann eine vorläufige ethische Bewertung der KI-Nutzung zur Umgehung von Lernanstrengungen an Schulen und Hochschulen. Es zeigt sich: Was als Lernunterstützung und als Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt gut gemeint sein mag, die hochschulseitige Erlaubnis der KI-Nutzung zur Erstellung von Haus- und Bachelorarbeiten, lässt sich – wenn humanistische und dem kritischen Denken verpflichtete Bildungsziele weiterhin in Geltung bleiben sollen – nur sehr schwer rechtfertigen. Dieser Befund ist von besonderer Brisanz für Berufe, die die diskursorientierte Medienethik in der Pflicht sieht, eine diskursanwaltschaftliche Rolle zu übernehmen, weil sie – vom Journalisten bis zum Kommunikationsdesigner – die öffentliche Kommunikation inhaltlich und strukturell mitbestimmen bzw. mitgestalten. Studentischer KI-Nutzung zur Umgehung von Lernanstrengungen sollten deshalb sehr klare und enge Grenzen gezogen werden. Das jedoch scheint praktisch kaum umsetzbar und so ist eine Diskussion um die Bedeutung von mündlichen und schriftlichen Prüfungen entbrannt. Ihnen soll zukünftig bei der Leistungserfassung ein größeres Gewicht zufallen. Dabei kommt schon heute eine KI zum Einsatz, die die Lehrkräfte dabei unterstützen kann, die Studenten auf all diese Prüfungen vorzubereiten, und die – weil sie zur sokratischen Dialogführung in der Lage ist – das Zeug dazu hat, den Kontakt zwischen Studenten und Lehrern überflüssig zu machen und damit die Rolle der Lehrkräfte für die Bildungskarrieren der Studenten radikal zu wandeln.

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Was Hänschen nicht lernt … KI-unterstütztes Lernen in der akademischen Kommunikatoren-Ausbildung – eine ethische Stellungnahme

  • Klaus Scherzinger

摘要

Sind die vielen neuen, durch die Nutzung von KI-Technologie entstandenen Handlungsmöglichkeiten ethisch zu rechtfertigen? Beim Versuch, diese Frage zu beantworten, wird Ethik zur KI-Ethik, d. h., sie fokussiert auf den Kreis dieser Möglichkeiten, versucht die Folgen der entsprechenden KI-Anwendungen für den Menschen und das menschliche Miteinander abzuschätzen und bewertet diese Abschätzungen im Lichte normativ-ethischer Theorien. Der nachfolgende Beitrag nimmt zunächst die Besonderheiten in den Blick, die eine Ethik charakterisieren, die sich mit den Folgen des Einsatzes moderner Technologien auseinandersetzen muss, zumal, wenn es sich um eine Technologie handelt, die das menschliche Denken ersetzbar zu machen scheint und versucht dann eine vorläufige ethische Bewertung der KI-Nutzung zur Umgehung von Lernanstrengungen an Schulen und Hochschulen. Es zeigt sich: Was als Lernunterstützung und als Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt gut gemeint sein mag, die hochschulseitige Erlaubnis der KI-Nutzung zur Erstellung von Haus- und Bachelorarbeiten, lässt sich – wenn humanistische und dem kritischen Denken verpflichtete Bildungsziele weiterhin in Geltung bleiben sollen – nur sehr schwer rechtfertigen. Dieser Befund ist von besonderer Brisanz für Berufe, die die diskursorientierte Medienethik in der Pflicht sieht, eine diskursanwaltschaftliche Rolle zu übernehmen, weil sie – vom Journalisten bis zum Kommunikationsdesigner – die öffentliche Kommunikation inhaltlich und strukturell mitbestimmen bzw. mitgestalten. Studentischer KI-Nutzung zur Umgehung von Lernanstrengungen sollten deshalb sehr klare und enge Grenzen gezogen werden. Das jedoch scheint praktisch kaum umsetzbar und so ist eine Diskussion um die Bedeutung von mündlichen und schriftlichen Prüfungen entbrannt. Ihnen soll zukünftig bei der Leistungserfassung ein größeres Gewicht zufallen. Dabei kommt schon heute eine KI zum Einsatz, die die Lehrkräfte dabei unterstützen kann, die Studenten auf all diese Prüfungen vorzubereiten, und die – weil sie zur sokratischen Dialogführung in der Lage ist – das Zeug dazu hat, den Kontakt zwischen Studenten und Lehrern überflüssig zu machen und damit die Rolle der Lehrkräfte für die Bildungskarrieren der Studenten radikal zu wandeln.