Fehler sind keine objektiven Gegebenheiten, sondern soziale Konstruktionen, die von den beteiligten Akteuren in einem mehr oder weniger konfliktreichen Prozess als solche markiert, kategorisiert, bewertet und bearbeitet werden. Dies gilt insbesondere für Fehler im Kontext von polizeilichem Handeln, das zudem einer hohen öffentlichen Aufmerksamkeit und Erwartung unterliegt. Externe wie interne Beschwerden sind die wichtigste Praxis für die Sichtbarmachung und Thematisierung von Fehlern in der Polizei. Fehler (und Fehlerfreiheit) sind also nicht selbst-evident, sondern dass Ergebnis von (in)formeller und bürokratischer Arbeit – von rechtlichen und moralischen Zuschreibungen und Narrationen, die bei Beschwerdeprozessen entwickelt werden. Basierend auf unseren ethnographischen Forschungen in vier Bundesländern fragen wir in diesem Beitrag, wie Fehler in der Polizei gemacht werden – also wie Fehler durch Beschwerdeprozesse im polizeilichen Feld konstruiert, kommuniziert, verhandelt und am Ende erzählt werden. Zunächst zeigen wir auf, welche unterschiedliche Modi der externen und internen Beschwerden es gibt, zum einen für Bürger:innen, die von mündlicher Kritik im Einsatz bis zu schriftlichen Beschwerden an übergeordnete Behörden reichen, zum anderen für Polizeibeamt:innen innerhalb der Behörde. Dann untersuchen wir, wie diese Beschwerden von Polizeibehörden be- und verarbeitet werden, in der großen Bandbreite von disziplinarrechtlichen sowie strafrechtlichen Prozessen bis hin zum Bürgergespräch. Zentral bei dieser (in)formellen und bürokratischen Verarbeitung sind Erzählungen, die rechtliche und organisatorische Rationalitäten, aber auch das Selbstbild der Polizei reproduzieren.

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Wie werden Fehler gemacht? Die Konstruktion und Narration von Fehlern durch das polizeiliche Beschwerdemanagement

  • Jan Beek,
  • Christiane Howe,
  • Nils Zurawski

摘要

Fehler sind keine objektiven Gegebenheiten, sondern soziale Konstruktionen, die von den beteiligten Akteuren in einem mehr oder weniger konfliktreichen Prozess als solche markiert, kategorisiert, bewertet und bearbeitet werden. Dies gilt insbesondere für Fehler im Kontext von polizeilichem Handeln, das zudem einer hohen öffentlichen Aufmerksamkeit und Erwartung unterliegt. Externe wie interne Beschwerden sind die wichtigste Praxis für die Sichtbarmachung und Thematisierung von Fehlern in der Polizei. Fehler (und Fehlerfreiheit) sind also nicht selbst-evident, sondern dass Ergebnis von (in)formeller und bürokratischer Arbeit – von rechtlichen und moralischen Zuschreibungen und Narrationen, die bei Beschwerdeprozessen entwickelt werden. Basierend auf unseren ethnographischen Forschungen in vier Bundesländern fragen wir in diesem Beitrag, wie Fehler in der Polizei gemacht werden – also wie Fehler durch Beschwerdeprozesse im polizeilichen Feld konstruiert, kommuniziert, verhandelt und am Ende erzählt werden. Zunächst zeigen wir auf, welche unterschiedliche Modi der externen und internen Beschwerden es gibt, zum einen für Bürger:innen, die von mündlicher Kritik im Einsatz bis zu schriftlichen Beschwerden an übergeordnete Behörden reichen, zum anderen für Polizeibeamt:innen innerhalb der Behörde. Dann untersuchen wir, wie diese Beschwerden von Polizeibehörden be- und verarbeitet werden, in der großen Bandbreite von disziplinarrechtlichen sowie strafrechtlichen Prozessen bis hin zum Bürgergespräch. Zentral bei dieser (in)formellen und bürokratischen Verarbeitung sind Erzählungen, die rechtliche und organisatorische Rationalitäten, aber auch das Selbstbild der Polizei reproduzieren.