Abstract: Die heutige Gesellschaft ist ohne digitale Technologie nicht mehr denkbar. Algorithmen sind allgegenwärtige Begleiter geworden und werden dies in Zukunft noch stärker sein. Diese Entwicklung hat auch vor der Polizei nicht halt gemacht. Auch dort sind digitale Prozesse schon längst in Gebrauch. Zudem zeigt sich seit einigen Jahren, dass deren Rolle in der Herstellung von polizeilichem Wissen sowie der Anteil in polizeilichen Entscheidungsprozessen stark zugenommen hat. Die so verstandene Datafizierung der Polizei, wie sie spätestens mit dem Beginn der Nutzung von polizeilicher Prognosesoftware eine neue Qualität erreicht hat, findet gegenwärtig mit der zunehmenden Nutzung von Datenintegrations- und -analyseplattformen der US-Firma Palantir Technologies, z. B. von den Polizeien in Hessen (hessenDATA), NRW (DAR) und Bayern (VeRA), ihren vorläufigen Höhepunkt. Gleichermaßen zeigt das „Zukunftsprogramm“ ‚P20‘ mit dem Ziel der Entwicklung „einer gemeinsamen, digitalen und vernetzten Polizei“, wie dominant derzeit das politische und organisationale Streben ist, Polizeiarbeit stärker unter Rückgriff auf digitale Daten und algorithmische Instrumente durchzuführen. Um allerdings in der Lage zu sein, solche Technologien sinnvoll und gemäß ihres eigentlichen Potenzials flächendeckend anwenden zu können, so unsere These, bedarf es nicht weniger als eine organisationale Kulturveränderung innerhalb der Polizei. Diese hat mehrere Facetten, u. a. gehört aber dazu, dass sich die Fehlerkultur innerhalb der Polizei verändern muss. Denn für die erfolgreiche (Eigen-)Entwicklung und Implementierung algorithmischer Tools benötigt es Freiräume und Experimentiermöglichkeiten in einem Ausmaß, die es bislang in der Polizei nicht gibt. Dies inkludiert, dass Fehler zugestanden werden und gleichsam eine neue Wertigkeit des Scheitern Eingang findet in die Polizei: Fehler können und dürfen gemacht werden, sie sind nicht nur als Mangel, sondern als notwendiges Übel bzw. gar als wertvolles Gut für die Weiterentwicklung zu verstehen. Unter der Prämisse, dass Wissen sozial konstruiert wird, beleuchtet der Beitrag, wie diese produktive Wende zurzeit im Gegensatz zu den bestehenden politik- und medien-orientierten Fehlerkulturen in der Polizei steht. Im Spannungsfeld zwischen zu erwartenden innovativen Disruptionen, bestehender Polizeikulturen und im Werben um Fachkräfte, wird daher eine gesellschaftlich orientierte Aktualisierung – ein Update – polizeilicher Fehlerkulturen und deren Integration in die Praxis plausibel.

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Update für die polizeiliche Fehlerkultur? Organisationale Implikationen der Datafizierung

  • Julia Katherina Mahnken,
  • Simon Egbert

摘要

Abstract: Die heutige Gesellschaft ist ohne digitale Technologie nicht mehr denkbar. Algorithmen sind allgegenwärtige Begleiter geworden und werden dies in Zukunft noch stärker sein. Diese Entwicklung hat auch vor der Polizei nicht halt gemacht. Auch dort sind digitale Prozesse schon längst in Gebrauch. Zudem zeigt sich seit einigen Jahren, dass deren Rolle in der Herstellung von polizeilichem Wissen sowie der Anteil in polizeilichen Entscheidungsprozessen stark zugenommen hat. Die so verstandene Datafizierung der Polizei, wie sie spätestens mit dem Beginn der Nutzung von polizeilicher Prognosesoftware eine neue Qualität erreicht hat, findet gegenwärtig mit der zunehmenden Nutzung von Datenintegrations- und -analyseplattformen der US-Firma Palantir Technologies, z. B. von den Polizeien in Hessen (hessenDATA), NRW (DAR) und Bayern (VeRA), ihren vorläufigen Höhepunkt. Gleichermaßen zeigt das „Zukunftsprogramm“ ‚P20‘ mit dem Ziel der Entwicklung „einer gemeinsamen, digitalen und vernetzten Polizei“, wie dominant derzeit das politische und organisationale Streben ist, Polizeiarbeit stärker unter Rückgriff auf digitale Daten und algorithmische Instrumente durchzuführen. Um allerdings in der Lage zu sein, solche Technologien sinnvoll und gemäß ihres eigentlichen Potenzials flächendeckend anwenden zu können, so unsere These, bedarf es nicht weniger als eine organisationale Kulturveränderung innerhalb der Polizei. Diese hat mehrere Facetten, u. a. gehört aber dazu, dass sich die Fehlerkultur innerhalb der Polizei verändern muss. Denn für die erfolgreiche (Eigen-)Entwicklung und Implementierung algorithmischer Tools benötigt es Freiräume und Experimentiermöglichkeiten in einem Ausmaß, die es bislang in der Polizei nicht gibt. Dies inkludiert, dass Fehler zugestanden werden und gleichsam eine neue Wertigkeit des Scheitern Eingang findet in die Polizei: Fehler können und dürfen gemacht werden, sie sind nicht nur als Mangel, sondern als notwendiges Übel bzw. gar als wertvolles Gut für die Weiterentwicklung zu verstehen. Unter der Prämisse, dass Wissen sozial konstruiert wird, beleuchtet der Beitrag, wie diese produktive Wende zurzeit im Gegensatz zu den bestehenden politik- und medien-orientierten Fehlerkulturen in der Polizei steht. Im Spannungsfeld zwischen zu erwartenden innovativen Disruptionen, bestehender Polizeikulturen und im Werben um Fachkräfte, wird daher eine gesellschaftlich orientierte Aktualisierung – ein Update – polizeilicher Fehlerkulturen und deren Integration in die Praxis plausibel.