Elterliche Verantwortung als moralischer Bewertungsmaßstab reproduktionsmedizinischer Verfahren
摘要
Es ist ein Kennzeichen liberaler und demokratischer Gesellschaften, dass individuelle Freiheiten allgemein vorausgesetzt werden und deren Einschränkungen zu begründen sind. Das gilt ebenso für die Fortpflanzungsfreiheit, der in unserer Gesellschaft zudem ein besonderer Stellenwert zukommt. Dennoch sind einige Fortpflanzungstechniken unter Strafe gestellt. Derartige Verbote sind aus Sicht einer liberalen, auf Autonomie basierenden Ethik jedoch kaum zu rechtfertigen, weil diese von einem politischen Verhältnis der Menschen untereinander ausgeht und den normativen Gehalt familiärer Beziehungen außer Acht lässt. Um Fortpflanzungsentscheidungen angemessen erfassen zu können, bedarf es zusätzlich eines beziehungsethischen Zugangs, der Eltern und Kind nicht als eigenständige Individuen betrachtet, deren Interessen miteinander in Konflikt stehen, sondern die von Fürsorge getragene Beziehung selbst in den Blick nimmt. Unter Zuhilfenahme des Konzepts elterlicher Verantwortung ist es möglich, den individualethischen Ansatz um eine sozialethische Dimension zu erweitern und einen angemessenen Bewertungsmaßstab für Fortpflanzungsentscheidungen abzuleiten, der sich auch zur Anwendung für Fortpflanzungen mittels reproduktionsmedizinischer Technologien eignet.