Die Kinder- und Jugendhilfe beschäftigt sich seit langem mit Kindern und Jugendlichen, die der Schule aus verschiedensten Gründen fernbleiben und kooperiert dabei mit unterschiedlichen Berufsgruppen und Institutionen, nicht zuletzt mit Lehrkräften und der Institution Schule: Seit spätestens Anfang der 1970er-Jahren werden unterschiedliche Ansätze der Kooperation von Jugendhilfe und Schule erprobt, um allen Kindern und Jugendlichen, besonders aber denjenigen mit individuellen Beeinträchtigungen und sozialen Benachteiligungen sozialpädagogische Angebote am Ort Schule bereitzustellen. Seit Ende der 1990er/Anfang der 2000er-Jahre wurden in einzelnen Bundesländern verstärkt Programme gegen Schulabsentismus, Schulversagen und Schulabbruch etabliert (z. B. in Sachsen-Anhalt). Zwischen 2008 bis 2014 fanden bundesweit Projekte und Kooperationen zum Thema Schulabsentismus im Rahmen des Programms „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) mit Trägern der Jugendsozialarbeit an rund 200 Standorten statt. Das Programm wurde später in der ESF-Förderperiode 2014–2022 in das Programm „Jugend stärken im Quartier“ überführt. Seit 2021 gibt es mit dem § 13a SGB VIII einen eigenständigen Paragraphen im Kinder- und Jugendhilfegesetz zur Schulsozialarbeit, um jungen Menschen am Ort Schule sozialpädagogische Angebote zur Verfügung zu stellen und bei denen die Träger der Schulsozialarbeit mit den Schulen zusammenarbeiten sollen. Prägend für viele Schulen in Deutschland ist inzwischen eine multiprofessionelle Zusammensetzung (Lehrkräfte, Sozialpädagog*innen, Sonderpädagog*innen, Pädagogische Mitarbeiter*innen etc.) im Zuge des Ausbaus der Beratungs- und Unterstützungssysteme, des Ganztags und der Inklusion. Wobei offen ist, inwiefern in den Schulen tatsächlich eine multiprofessionelle Kooperation stattfindet. Der nachfolgende Beitrag beschäftigt sich vor diesem Hintergrund mit dem Thema Schulabsentismus und multiprofessionelle Kooperation. Aus einer solchen sozialpädagogischen Perspektive heraus wird Schulabsentismus dabei a) als multifaktorielles Problem und nicht allein als Schulverweigerung oder Schüler*innenproblem wahrgenommen und b) als gemeinsame Herausforderung von Schule, Jugendhilfe und weiteren Institutionen, Berufsgruppen und Akteuren verstanden, bei denen die Zusammenführung der unterschiedlichen Aufträge, Grundprinzipien und Handlungslogiken als ein Lösungsansatz fungiert.

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Multiprofessionelle Kooperation im Umgang mit Schulabsentismus: Sozialpädagogische Perspektiven, Erklärungsansätze, empirische Befunde und Empfehlungen

  • Karsten Speck,
  • Lara Stauvermann

摘要

Die Kinder- und Jugendhilfe beschäftigt sich seit langem mit Kindern und Jugendlichen, die der Schule aus verschiedensten Gründen fernbleiben und kooperiert dabei mit unterschiedlichen Berufsgruppen und Institutionen, nicht zuletzt mit Lehrkräften und der Institution Schule: Seit spätestens Anfang der 1970er-Jahren werden unterschiedliche Ansätze der Kooperation von Jugendhilfe und Schule erprobt, um allen Kindern und Jugendlichen, besonders aber denjenigen mit individuellen Beeinträchtigungen und sozialen Benachteiligungen sozialpädagogische Angebote am Ort Schule bereitzustellen. Seit Ende der 1990er/Anfang der 2000er-Jahre wurden in einzelnen Bundesländern verstärkt Programme gegen Schulabsentismus, Schulversagen und Schulabbruch etabliert (z. B. in Sachsen-Anhalt). Zwischen 2008 bis 2014 fanden bundesweit Projekte und Kooperationen zum Thema Schulabsentismus im Rahmen des Programms „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) mit Trägern der Jugendsozialarbeit an rund 200 Standorten statt. Das Programm wurde später in der ESF-Förderperiode 2014–2022 in das Programm „Jugend stärken im Quartier“ überführt. Seit 2021 gibt es mit dem § 13a SGB VIII einen eigenständigen Paragraphen im Kinder- und Jugendhilfegesetz zur Schulsozialarbeit, um jungen Menschen am Ort Schule sozialpädagogische Angebote zur Verfügung zu stellen und bei denen die Träger der Schulsozialarbeit mit den Schulen zusammenarbeiten sollen. Prägend für viele Schulen in Deutschland ist inzwischen eine multiprofessionelle Zusammensetzung (Lehrkräfte, Sozialpädagog*innen, Sonderpädagog*innen, Pädagogische Mitarbeiter*innen etc.) im Zuge des Ausbaus der Beratungs- und Unterstützungssysteme, des Ganztags und der Inklusion. Wobei offen ist, inwiefern in den Schulen tatsächlich eine multiprofessionelle Kooperation stattfindet. Der nachfolgende Beitrag beschäftigt sich vor diesem Hintergrund mit dem Thema Schulabsentismus und multiprofessionelle Kooperation. Aus einer solchen sozialpädagogischen Perspektive heraus wird Schulabsentismus dabei a) als multifaktorielles Problem und nicht allein als Schulverweigerung oder Schüler*innenproblem wahrgenommen und b) als gemeinsame Herausforderung von Schule, Jugendhilfe und weiteren Institutionen, Berufsgruppen und Akteuren verstanden, bei denen die Zusammenführung der unterschiedlichen Aufträge, Grundprinzipien und Handlungslogiken als ein Lösungsansatz fungiert.