Der Fokus der Kinder- und Jugendpsychiatrie liegt auf der Behandlung von psychischen Störungen und Krankheitsbildern. Schulabsentismus ist jedoch an sich keine psychiatrische Diagnose, sondern ein Begleitphänomen bei vielen Jugendlichen, die von einer psychischen Störung betroffen sind, was jedoch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Behandlung haben kann (Reissner et al., 2015). Für einen systematisch geplanten Einbezug in ein strukturiertes Behandlungskonzept ist es daher wichtig, verschiedene Formen von Schulabsentismus zu unterscheiden. So wird im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie Schulabsentismus zunächst als allgemeiner Begriff für jegliches Fehlen in der Schule verstanden. Dann wird unterschieden zwischen legitimiertem Fehlen durch Atteste oder Sanktionen (z. B. bei körperlicher Krankheit oder bei schulischen Disziplinarmaßnahmen, wie zeitweiser Schulausschluss), Zurückhaltung durch die Eltern (z. B. aufgrund eigener Pflegebedürftigkeit oder weltanschaulichen Gründen) und Schulvermeidung. Schulvermeidung kann weiter unterteilt werden in Schulschwänzen (Abwesenheit aufgrund fehlenden Interesses am Schulbesuch ohne psychiatrische Symptomatik) und Schulverweigerung (Fehlen in Verbindung mit emotionaler Symptomatik). Unter Schulverweigerung fallen sowohl Ängste vor Situationen auf dem Weg zur Schule oder in der Schule selbst als auch die Angst vor der Trennung von Bezugspersonen. Im Zusammenhang mit Depressionen ergeben sich Schulfehlzeiten zudem aus einem allgemein verminderten Antrieb oder verschobenen Tag-Nacht-Rhythmen. Ein wichtiger Unterschied zwischen Schulschwänzen und Schulverweigerung ist, dass die Kinder oder Jugendlichen bei ersterem zumindest anfänglich ohne Wissen der Eltern der Schule fernbleiben und sich häufig nicht zu Hause aufhalten, während bei zweiterem die Eltern von dem Fehlen wissen und das Kind bzw. die Jugendlichen zu Hause sind. Selbstverständlich gibt es auch eine Mischform der beiden Varianten, d. h. das Fehlen findet mal mit, mal ohne Wissen der Eltern, mal zu Hause und mal draußen statt und es kommen internalisierende wie externalisierende Verhaltensweisen vor. Entsprechend dieser Aufteilung, können den verschiedenen Formen der Schulvermeidung bestimmte psychiatrische Diagnosen zugeordnet werden (Heyne et al., 2019; Knollmann et al., 2010).

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Multiprofessionelle Kooperation und Schulabsentismus: Theoriezugänge und Befunde aus Sicht der Kinder- und Jugendpsychiatrie

  • Ursula Neumann,
  • Martin Knollmann,
  • Volker Reissner,
  • Petra Vasen,
  • Michael Schmitz,
  • Kristina Kerlen

摘要

Der Fokus der Kinder- und Jugendpsychiatrie liegt auf der Behandlung von psychischen Störungen und Krankheitsbildern. Schulabsentismus ist jedoch an sich keine psychiatrische Diagnose, sondern ein Begleitphänomen bei vielen Jugendlichen, die von einer psychischen Störung betroffen sind, was jedoch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Behandlung haben kann (Reissner et al., 2015). Für einen systematisch geplanten Einbezug in ein strukturiertes Behandlungskonzept ist es daher wichtig, verschiedene Formen von Schulabsentismus zu unterscheiden. So wird im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie Schulabsentismus zunächst als allgemeiner Begriff für jegliches Fehlen in der Schule verstanden. Dann wird unterschieden zwischen legitimiertem Fehlen durch Atteste oder Sanktionen (z. B. bei körperlicher Krankheit oder bei schulischen Disziplinarmaßnahmen, wie zeitweiser Schulausschluss), Zurückhaltung durch die Eltern (z. B. aufgrund eigener Pflegebedürftigkeit oder weltanschaulichen Gründen) und Schulvermeidung. Schulvermeidung kann weiter unterteilt werden in Schulschwänzen (Abwesenheit aufgrund fehlenden Interesses am Schulbesuch ohne psychiatrische Symptomatik) und Schulverweigerung (Fehlen in Verbindung mit emotionaler Symptomatik). Unter Schulverweigerung fallen sowohl Ängste vor Situationen auf dem Weg zur Schule oder in der Schule selbst als auch die Angst vor der Trennung von Bezugspersonen. Im Zusammenhang mit Depressionen ergeben sich Schulfehlzeiten zudem aus einem allgemein verminderten Antrieb oder verschobenen Tag-Nacht-Rhythmen. Ein wichtiger Unterschied zwischen Schulschwänzen und Schulverweigerung ist, dass die Kinder oder Jugendlichen bei ersterem zumindest anfänglich ohne Wissen der Eltern der Schule fernbleiben und sich häufig nicht zu Hause aufhalten, während bei zweiterem die Eltern von dem Fehlen wissen und das Kind bzw. die Jugendlichen zu Hause sind. Selbstverständlich gibt es auch eine Mischform der beiden Varianten, d. h. das Fehlen findet mal mit, mal ohne Wissen der Eltern, mal zu Hause und mal draußen statt und es kommen internalisierende wie externalisierende Verhaltensweisen vor. Entsprechend dieser Aufteilung, können den verschiedenen Formen der Schulvermeidung bestimmte psychiatrische Diagnosen zugeordnet werden (Heyne et al., 2019; Knollmann et al., 2010).