Interviewstudie ex post zur Analyse politischer Reflexions- und Sinnbildungsprozesse
摘要
Mit dem Unterrichtsprojekt wurde das Ziel verfolgt, die Perspektivität und Kontroversität gesellschaftlicher Problemstellungen einer nachhaltigen Entwicklung am Beispiel des Transformationsfeldes Landwirtschaft und Ernährung didaktisch aufzubereiten und durch außerschulische Begegnungen mit regionalen Akteur*innen erfahrbar zu machen. Die empirische Untersuchung im Rahmen der Interventionsstudie hat ergeben, dass durch das Unterrichtsprojekt als didaktische Intervention eine Politisierung der Thematik angebahnt werden konnte. Zeigte sich in einem Großteil der Schüler*innenäußerungen vor dem Unterrichtsprojekt die Vorstellung eines regelrecht natürlichen Strukturwandlungsprozesses, der mit ökologischen Nachteilen verbunden ist, ergaben die Befragungen unmittelbar nach dem Unterrichtsprojekt eine Ausdifferenzierung der Vorstellungen zum Konfliktfeld Landwirtschaft und Ernährung unter vermehrter Berücksichtigung politischer Kategorien (Akteur*innen, Handlungsfolgen, ökonomischer Zusammenhang etc.). Das Ziel der Interviewstudie ist es, das spezifische Anregungspotenzial der kontroversen außerschulischen Begegnungen für die politische Urteilsbildung ex post zu explorieren. Aufgrund dessen werden Reflexions- und Sinnbildungsprozesse sechs Wochen nach dem Unterrichtsprojekt erhoben. Somit ergänzt die Interviewstudie die Gesamtstudie nun um Erkenntnisse über das außerschulische Lernen im schulischen Fachunterricht. Wie in Abschnitt 4.5 herausgearbeitet, wird dem außerschulischen Lernen aufgrund der genuinen Mehrperspektivität der außerschulischen Erfahrung ein besonderes Potenzial zur Förderung der politischen Urteilsfähigkeit zugesprochen (Juchler, 2022). Dies steht in einer Diskrepanz zum Theorie- und Empiriedefizit, weshalb explorative Untersuchungen von Verstehensprozessen von Schüler*innen angezeigt sind (Moritz, 2016; siehe Abschn. 4.6).