Ist KI zu kontrollieren? Überlegungen zur Ethik des Zusammenwirkens von Menschen und KI-Maschinen
摘要
Dieser Beitrag geht von der Beobachtung aus, dass sich aktuelle Ethikdiskurse über KI-Systeme auf Fragen der Kontrolle und Regulierung zur Reduktion norm- und regelverletzender Möglichkeiten des Zusammenwirkens von Mensch und Maschine konzentrieren. Während wir Forderungen zur Offenlegung von Trainingsdaten und -methoden sowie der Filter und regelbasierter Ausgabemechanismen im Rahmen solcher externer Kontrolle teilen, muss wirksame Kontrolle aber auch mit der inneren Komplexität von KI-Systemen und der Offenheit rekursiver Kopplungen im realen Zusammenwirken von Menschen und Maschinen skalieren. Auf der Grundlage einer systemtheoretischen Rekonstruktion des Kontrollproblems zeigen wir, dass dazu das Zusammenwirken zwischen Menschen und KI-Systemen in weiten Teilen des Diskurses weder hinreichend systemintern (bezogen auf Fragen der Selbststeuerung), noch hinreichend immanent (bezogen auf Fragen der sinnvollen Fortsetzung von Lebensformen und Praktiken) bearbeitet wird. Ausgehend von einer Beschreibung von KI-Systemen als „Kontinuierungsmaschinen“ stellen wir daher die These auf, dass zur ethischen Reflexion von KI-Systemen neben intelligenter Regulierung und bedeutsamer Kontrolle auch die Frage gehört, ob und wie menschliche Lebensformen und die mit ihnen verbundenen Praktiken im Zusammenwirken von Menschen und KI-Systemen sinnvoll fortgesetzt und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet werden können. Dabei halten wir es für notwendig, die menschliche Urteilskraft im Zusammenwirken mit KI-Maschinen zum Tragen zu bringen, damit die maschinelle Generierung virtueller Bedeutung in ein Zusammenspiel mit weltverstehender und auf das Zusammenleben ausgerichteter Intelligenz gebracht werden kann.