Political Distance and Civics Teachers’ Habitus: Different Approaches Towards Inclusive Citizenship
摘要
Wie kann formelle politische Bildung zu einer inklusiveren politischen Partizipation und Staatsbürgerschaft beitragen? Im Folgenden werden die Ergebnisse einer qualitativen und international vergleichenden Studie zwischen Deutschland und Israel vorgestellt, in deren Mittelpunkt die Politikbilder von Politiklehrer*innen in Verbindung mit ihren Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata („Habitus“; Bourdieu, 1984) stehen. Dazu wurden erweiterte Gruppendiskussionen („Gruppenwerkstätten“; Bremer, 2004) mit Politiklehrer*innen in beiden Ländern durchgeführt und habitushermeneutisch ausgewertet (Bremer & Teiwes-Kügler, 2013). Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Politikbilder mit habitusspezifischen politikbezogenen Erfahrungen und moralischen Haltungen der Lehrkräfte korrespondieren. Insgesamt konnten unter den Politiklehrer*innen vier ‚Politikbildsyndrome‘ rekonstruiert werden: „verteidigende“, „reformistische“, „rebellische“ und „resignierte“ Politikbilder. Sie weisen unterschiedliche Nähe-Distanz-Verhältnisse zur verfassten Politik auf, unterscheiden sich in ihrer affirmativ-konservativen oder kritisch-transformatorischen Stoßrichtung und sind mit spezifischen Unterrichtszielen sowie Idealen von ‚guten‘ Bürger*innen verknüpft. Es wird deutlich, dass sie vor allem Schüler*innen mit einem ähnlichen sozialen Hintergrund Zugang zu Staatsbürgerschaft und Politik gewähren können und Schüler*innen mit einem anderen sozialen Hintergrund tendenziell ausschließen. Der Beitrag plädiert dafür, dass Lehrer*innen sich von ihrer eigenen politischen Sozialisation distanzieren und ihre Unterrichtspraxis an die unterschiedlichen Habitus der Schüler*innen zurückbinden, um Bürger*innenschaft sozial inklusiver und demokratischer zu gestalten.