Wachstumstheorien und Wachstumskritik
摘要
Da seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Treibhausgasemissionen und das Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen, plädiert die Postwachstumsökonomie dafür, Wachstum als Grundlage des Wirtschaftssystems zu überwinden. Dies ist allerdings angesichts des Wunsches der Weltbevölkerung nach Wirtschaftswachstum nicht realistisch. Die lebenden Generationen sind herausgefordert, wieder mehr technologischen Fortschritt hervorzubringen, sodass Wohlstand ressourcenschonender entstehen und auf dieser Basis die globale negative Externalität der Treibhausgasemissionen gelöst werden kann. In diesem Kapitel werden eingangs stilisierte Fakten zum Wirtschafts wachstum und CO2-Emissionen präsentiert. Ausgehend von der Kaya-Identität werden die Thesen der Wachstumskritik vorgestellt, deren Forderungen im Widerspruch zum politischen Ziel Wirtschaftswachstum stehen. Das Solow-Modell legt die Grundlage für die folgende ökonomische Analyse. Demnach kann allein technologischer Fortschritt zu langfristigem Wachstum führen. Verschiedene endogene Wachstumsmodelle zeigen die Bedeutung von Humankapital bzw. der Produktion technologischen Wissens für Produktivitätsfortschritte auf. Diesen Modellen mangelt es allerdings an einer Berücksichtigung ökologischer Schäden durch Wachstum. Diese Lücke wird durch das grüne Solow-Modell (Brock und Taylor im Journal of Economic Growth 15:127–153, 2010) geschlossen, aus dem sich auch die ökologische Kuznets-Kurve ableiten lässt. Den Abschluss bildet das Wachstumsmodell von Keen et al. (2019) (Keen et al. im Ecological Economics 157:40–46, 2019), welches die Rolle von Energieverfügbarkeit und Energieeffizienz für die totale Faktorproduktivität hinreichend würdigt. Damit ist ein theoretischer Unterbau der Kaya-Identität gegeben und die Voraussetzungen für eine Reduktion der Treibhausgasemissionen werden klar.