Digitalisierung der Schulen – ein Beitrag zur Dehumanisierung der Bildung?
摘要
In seiner Schrift Über die Würde des Menschen – erstmals 1496 ohne Titel veröffentlicht – hat der Renaissance-Philosoph Pico della Mirandola die Unbestimmtheit des Menschen, seine Weltoffenheit sowie Selbstbestimmungs- und Moralfähigkeit formuliert und damit das humanistische Menschenbild begründet. Die Volksschule, wie überhaupt Bildung auf allen Stufen, dient in einer demokratischen Gesellschaft dem Ziel der menschengerechten Entfaltung des Individuums, also dessen Humanisierung. Dies jedenfalls ist die emanzipatorische Idee und Rolle der Institution Schule als Voraussetzung für die kulturelle Evolution, im Dienst der Gesellschaft seit dem Aufkommen der Weltanschauung des Humanismus während der Renaissance. Dieser Kern der europäischen Bildungstradition hat seit den 1990er Jahren seine bewährte Bedeutung weitgehend eingebüsst, zumal im Zuge der gesellschaftlichen Neuorientierung nach dem Kalten Krieg die Notwendigkeit für eine grundlegende Revision dieser Bildung heraufbeschworen wurde. Ganze Reformkaskaden wurden Schritt für Schritt mit dem Argument implementiert, sie seien zwingend, um mit dem gesellschaftlichen Fortschritt – gemeint war und ist zumeist der ökonomische und technische – Schritt halten zu können. Dies trifft in besonderem Masse für die aktuell forcierte Digitalisierung der Schulen zu. Unsere ganze Lebenswelt ist inzwischen in so vereinnahmender Weise digitalisiert, dass Fragen und ernsthafte Zweifel angebracht sind, ob die Digitalisierung der Schulen eine humanisierende Wirkung auf die Schulentwicklung und die Vorbereitung junger Menschen auf das Leben haben kann. Diese Bedenken verstärken sich angesichts der schon länger zunehmenden Individualisierung des Unterrichts. Durch eine selbstgesteuerte Lernkultur, konstruktivistische Lerntheorien sowie der möglichst flächendeckenden Integration-Inklusion-Lösungen sind in den letzten rund 30 Jahren bereits wesentliche Elemente einer persönlichkeitsfördernden Unterrichtsgestaltung verloren gegangen. In diesem Beitrag werden die Folgen aus dieser schulischen Entwicklung auf dem Hintergrund des Überhandnehmens der Digitalisierung im gesellschaftlichen Alltag der Menschen thematisiert. Dazu gehört die Darstellung der damit einhergehenden Schaffung einer enorm beschleunigten, konsumorientierten Abhängigkeit bei unserer Jugend und einer Verkümmerung wesentlicher Fähigkeiten und Eigenschaften ihres Menschenseins. Zur Diskussion stehen vornehmlich Erfahrungen aus der Schweiz, insbesondere in der Zeitspanne seit Beginn der Globalisierung sowie die Frage, welche Aufgabe sich der Schule angesichts dieser Entwicklungen wirklich im Interesse unserer Jugend stellt.