In seiner Rezension zu Tobias Gerbers und Katharina Hausladens Compared to What? Pop zwischen Normativität und Subversion, der bislang letzten substanziellen deutschsprachigen Publikation mit Fokus auf subversive Elemente populärer Kultur, macht der Germanist und Popliteratur-Theoretiker Moritz Baßler eine ebenso provozierende wie schlagende Bemerkung: „Randständiges […] kann sein subversives Potential nicht entfalten, solange es randständig bleibt. Ob es uns gefällt oder nicht: Nicht Big Mama Thornton, Muddy Waters oder Country Joe and the Fish waren subversiv, sondern Elvis, die frühen Rolling Stones und die Beatles. Appropriation durch dominante Kulturträger ist Bedingung jeder Subversion.“ (2018, S. 129). Nun, Baßler verstrickt sich hier freilich in einen logischen wie politisch fragwürdigen Widerspruch. Zum einen, was mag es bringen, Big Mama Thornton, Muddy Waters oder Country Joe and the Fish gegen Elvis, die Rolling Stones und die Beatles auszuspielen? Zum anderen natürlich gilt: ohne Big Mama Thornton und ohne Muddy Waters kein Elvis, keine Rolling Stones und keine Beatles. Ob es uns gefällt oder nicht. Dies aber ändert nichts an Baßlers zweifelsohne korrekter These, dass Mediatisierung durch hegemoniale Akteure als Prädisposition von Subversion zu gelten hat. Hiermit nun sticht Baßler, es wäre nur verdienstvoll zu nennen, in ein Wespennest kurrenter Kulturkämpfe der Identitären jedweder Couleur, ja des widersprüchlichen Verhältnisses von populärer Kultur und Subversion sui generis. Es sei hier auf das Lob der kulturellen Aneignung bei der marxistischen Feministin Caroline Fourest verwiesen:

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Was hat uns bloß so ruiniert? Ein kritischer Lagebericht

  • Ivo Ritzer

摘要

In seiner Rezension zu Tobias Gerbers und Katharina Hausladens Compared to What? Pop zwischen Normativität und Subversion, der bislang letzten substanziellen deutschsprachigen Publikation mit Fokus auf subversive Elemente populärer Kultur, macht der Germanist und Popliteratur-Theoretiker Moritz Baßler eine ebenso provozierende wie schlagende Bemerkung: „Randständiges […] kann sein subversives Potential nicht entfalten, solange es randständig bleibt. Ob es uns gefällt oder nicht: Nicht Big Mama Thornton, Muddy Waters oder Country Joe and the Fish waren subversiv, sondern Elvis, die frühen Rolling Stones und die Beatles. Appropriation durch dominante Kulturträger ist Bedingung jeder Subversion.“ (2018, S. 129). Nun, Baßler verstrickt sich hier freilich in einen logischen wie politisch fragwürdigen Widerspruch. Zum einen, was mag es bringen, Big Mama Thornton, Muddy Waters oder Country Joe and the Fish gegen Elvis, die Rolling Stones und die Beatles auszuspielen? Zum anderen natürlich gilt: ohne Big Mama Thornton und ohne Muddy Waters kein Elvis, keine Rolling Stones und keine Beatles. Ob es uns gefällt oder nicht. Dies aber ändert nichts an Baßlers zweifelsohne korrekter These, dass Mediatisierung durch hegemoniale Akteure als Prädisposition von Subversion zu gelten hat. Hiermit nun sticht Baßler, es wäre nur verdienstvoll zu nennen, in ein Wespennest kurrenter Kulturkämpfe der Identitären jedweder Couleur, ja des widersprüchlichen Verhältnisses von populärer Kultur und Subversion sui generis. Es sei hier auf das Lob der kulturellen Aneignung bei der marxistischen Feministin Caroline Fourest verwiesen: