Journalismus, Medien und öffentliche Kommunikation
摘要
Der Journalismus ist Chronist des Tagesgeschehens und Seismograf der Gesellschaft. Er soll einem Massenpublikum fortlaufend, schnell, sachkompetent, autonom und objektiv einen umfassenden Nachrichtenüberblick geben. Außerdem moderiert er den öffentlichen Diskurs und bezieht selbst darin Stellung. Er hält die Teile der Gesellschaft zusammen, indem er mithilfe von Massenmedien einen öffentlichen Raum schafft, in dem sich Akteur:innen gegenseitig beobachten und beeinflussen können. Dieses Kapitel soll zeigen, wie die journalistische Funktion der aktuellen Selbstbeobachtung und Synchronisation der Gesellschaft interpretiert wird, von wem sie auf welche Weise erfüllt wird, unter welchen Umständen dies geschieht und wie das journalistische Rollenverständnis legitimiert und kritisiert wird. Merkmale journalistischer Kommunikation sind Aktualität, Objektivität, Universalität, Periodizität, Publizität und Orientierung (Abschn. 1). Zwischen diesen Merkmalen besteht ein Spannungsverhältnis, weshalb Journalismus stets ein Balanceakt ist. Er stellt vielfältige Beobachtungsund Beeinflussungsbeziehungen zwischen dem Publikum sowie Akteur:innen aus Politik, Wirtschaft und anderen Teilsystemen her (siehe Abschn. 2). Wie viel Macht der Journalismus in diesem Beziehungsgeflecht besitzt, ist eine oft diskutierte und untersuchte Frage. Journalistisches Handeln findet im Rahmen einer institutionellen Ordnung statt, die Autonomie, Legitimität und Qualität sicherstellen soll (Abschn. 3). Die Qualitätsforschung befasst sich mit der Frage, wie Vermittlungsleistungen des Journalismus definiert und erbracht werden (Abschn. 4). Gesamtgesellschaftliche Trends wie Digitalisierung, Medialisierung, Beschleunigung, Ökonomisierung, Globalisierung und Individualisierung betreffen auch den Journalismus und werden zugleich von ihm vorangetrieben (Abschn. 5). Besonders gravierend wirkt es sich aus, dass er im Internet sein Monopol als Gatekeeper verloren hat: Er entscheidet nicht mehr alleine darüber, welche Themen und Meinungen in die aktuelle Öffentlichkeit gelangen. Daher steht der Journalismus gegenwärtig vor einer enorenormen Herausforderung: Er muss seine Leistung neu bestimmen und ein neues Geschäftsmodell finden, um im Wettbewerb um Publikum und Werbung zu bestehen, wobei digitale Plattformen wie Facebook und Google seine schärfsten Konkurrenten sind.