Führung in der flüchtigen Moderne
摘要
Die Polizeiorganisation ist eingebettet und betroffen von gesellschaftlichen Wandlungsprozessen. Gerade vor dem Hintergrund stark zunehmender Dynamiken und Komplexitäten der flüchtigen Moderne bringt dies auch veränderte Anforderungen an die Führung in der Polizei mit sich. Derzeitige Vorstellungen von Organisationsstrukturen und von Führung stoßen dabei zunehmend an Grenzen. Um diesen Anforderungen erfolgreich begegnen zu können, bedarf es eines Führungsverständnisses, das nicht auf Komplexitätsreduktion, sondern auf den verbesserten Umgang mit Komplexitäten ausgerichtet ist. Reflexivität der Führung ist hier eine Schlüsselkompetenz, die zwingend in polizeilichen Führungskonzeptionen Berücksichtigung finden muss. Die fortlaufende Entwicklung der Alltagsorganisation im Sinne eines Ortes der angstfreien Kommunikation und des Gesehen-Werdens wird zunehmend relevant, was auch als Beitrag zu einer positiven Fehlerkultur verstanden werden kann. Daneben erscheint die aggressive Polizeimännlichkeit, als dominierendes Konstrukt innerhalb der Polizei, im Rahmen der flüchtigen Moderne erneut leichter konsensfähig zu werden, was eine weitere Herausforderung für die Führung innerhalb der Polizei darstellt. Das Erstarken dieses tradierten Männlichkeitsentwurfs erschwert den konstruktiven Umgang mit Fehlern und bietet nur unterkomplexe Handlungsmuster für komplexe Situationen an. Sollen die Herausforderungen der flüchtigen Moderne erfolgreich gemeistert werden, gilt es für die Führungskräfte der Polizei, auf die Marginalisierung dieses Männlichkeitskonstrukts hinzuwirken. Zudem erscheint eine kontinuierliche (Neu-)Bestimmung des Wesens „guter“ Polizeiarbeit im Rahmen gesellschaftlicher Wandlungsprozesse als notwendig.