Bei der Relationalen Soziologie handelt es sich um eine Theorieperspektive, der man paradigmatischen Charakter attestieren kann. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Relationale Soziologie von einem anderen Ausgangspunkt aus Soziales erklärt, als herkömmliche soziologische Ansätze es gemeinhin tun. Sie geht weder von einzelnen Akteuren und deren Handlungen, Wünschen, Bedürfnissen und Entscheidungskalkülen aus, noch von Strukturen, Institutionen oder gegebenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern vielmehr von relationalen Phänomenen, wie Beziehungen, Beziehungsgefügen, Reziprozitäten u. a. In der nun folgenden Vorbemerkung wird darauf verwiesen, dass es auch relational-soziologische Ansätze gibt, die außerhalb der Netzwerkforschung anzusiedeln sind. Diese sind nicht Gegenstand des vorliegenden Artikels. Dieser liefert vielmehr einen Überblick über die netzwerkforscherische Relationale Soziologie. In der Soziologie lässt sich eine lange Tradition relationalen Denkens und Forschens ausmachen. Gegenstand des Abschn. 2 ist deren Darstellung, die gleichzeitig auch eine Darlegung der Grundaussagen der netzwerkforscherischen Relationalen Soziologie bildet. Dabei werden jene paradigmatischen Weichenstellungen sichtbar, die letztendlich zu einer Neubestimmung etablierter soziologischer Begrifflichkeiten, allen voran der Begriffe des Akteurs bzw. sozialer Entitäten, des Prozesses und der Struktur führen. Die damit verbundenen Konsequenzen für die netzwerkforscherische Relationale Soziologie werden in Abschn. 3 erörtert. Ebenso wie die theoretischen Implikationen weist auch ihre empirische Perspektive eine hohe Eigenständigkeit auf – angefangen von den angewandten Methoden bis hin zu dem Erklärungsgehalt empirischer Ergebnisse. Diese Eigenständigkeit wird in Abschn. 4 vorgestellt. Der Artikel endet mit einem Ausblick, der auf das Forschungsprogramm der netzwerkforscherischen Relationalen Soziologie für die nächsten Jahre abhebt und damit ihr Anspruchsniveau markiert.

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Relationale Soziologie

  • Roger Häußling

摘要

Bei der Relationalen Soziologie handelt es sich um eine Theorieperspektive, der man paradigmatischen Charakter attestieren kann. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Relationale Soziologie von einem anderen Ausgangspunkt aus Soziales erklärt, als herkömmliche soziologische Ansätze es gemeinhin tun. Sie geht weder von einzelnen Akteuren und deren Handlungen, Wünschen, Bedürfnissen und Entscheidungskalkülen aus, noch von Strukturen, Institutionen oder gegebenen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, sondern vielmehr von relationalen Phänomenen, wie Beziehungen, Beziehungsgefügen, Reziprozitäten u. a. In der nun folgenden Vorbemerkung wird darauf verwiesen, dass es auch relational-soziologische Ansätze gibt, die außerhalb der Netzwerkforschung anzusiedeln sind. Diese sind nicht Gegenstand des vorliegenden Artikels. Dieser liefert vielmehr einen Überblick über die netzwerkforscherische Relationale Soziologie. In der Soziologie lässt sich eine lange Tradition relationalen Denkens und Forschens ausmachen. Gegenstand des Abschn. 2 ist deren Darstellung, die gleichzeitig auch eine Darlegung der Grundaussagen der netzwerkforscherischen Relationalen Soziologie bildet. Dabei werden jene paradigmatischen Weichenstellungen sichtbar, die letztendlich zu einer Neubestimmung etablierter soziologischer Begrifflichkeiten, allen voran der Begriffe des Akteurs bzw. sozialer Entitäten, des Prozesses und der Struktur führen. Die damit verbundenen Konsequenzen für die netzwerkforscherische Relationale Soziologie werden in Abschn. 3 erörtert. Ebenso wie die theoretischen Implikationen weist auch ihre empirische Perspektive eine hohe Eigenständigkeit auf – angefangen von den angewandten Methoden bis hin zu dem Erklärungsgehalt empirischer Ergebnisse. Diese Eigenständigkeit wird in Abschn. 4 vorgestellt. Der Artikel endet mit einem Ausblick, der auf das Forschungsprogramm der netzwerkforscherischen Relationalen Soziologie für die nächsten Jahre abhebt und damit ihr Anspruchsniveau markiert.