Dass und warum erzieherische Zeigeoperativität jenseits des ‚Menschen‘ sozialtheoretisch möglich und gar ethisch aus systemtheoretischer Sicht geboten scheint, stellt der vorliegende Beitrag mit Mitteln des Luhmann’schen theoretisch-methodologischen Antihumanismus (nachfolgend: LTMA) dar. Der Beitrag rekonstruiert, dass der LTMA nicht nur eine analytische Beobachtungseinstellung darstellt, sondern auch und v. a. ein explizit eigennormatives, von Luhmann gar selbst so benanntes „Ethos“ birgt, das gerade durch die analytische Verabschiedung des ‚Menschen‘ ihm als „Nichtidentischem“ (sensu Adorno) überhaupt erst gerecht(er) werden kann. ‚Der Mensch‘ liegt theoretisch somit jenseits der Gesellschaft, d. h. in ihrer Umwelt, und damit jenseits der unmittelbar operativen wie ideologischen Zwänge der Vergesellschaftung. Prange hingegen beansprucht zwar auch eine nicht „den Menschen verkennende“ Theorie, muss damit aber – so meine These – in der Einlösung scheitern, da er meiner Lesart nach eine substanzmetaphysisch-anthropologische ‚Wesensschau‘ vertritt, bei der der Erzieher zudem asymmetrisch und absolut im Geltungsanspruch darüber befindet, was zum Educandus „passt“, wenn er sich selbst „nicht verleugnen“ will. Legt man den LTMA als kontrastive Beobachtungsfolie über Pranges Operative Pädagogik, zeigt sich entsprechend an ausgewählten Belegstellen, dass Pranges Educandus-Entwurf gemäß den Ansprüchen des LTMA nicht haltbar ist. – Die Argumentation gliedert sich hierfür in drei Schritte: Die Abschn. 1, 2 und 3 legen ausgewählte Grundlagen zur Eigenlogik systemtheoretischer Erziehungsanalytik. Das ‚Herz‘ des Beitrags bilden die Abschn. 4 und 5, in denen es um das in der Eigenlogik systemtheoretischen Denkens verankerte Ethos des LTMA geht. Abschn. 6 wendet den LTMA auf die Operative Pädagogik an. Abschn. 7 gibt zuletzt einen Ausblick darauf, erzieherisches Zeigen jenseits ‚des Menschen‘ weiterzudenken.

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Die allmähliche Verfertigung des ‚Educandus‘ im Zeigen – Zum operativen Ethos einer Erziehung jenseits des ‚Menschen‘ aus Sicht des systemtheoretischen Antihumanismus

  • Florian Dobmeier

摘要

Dass und warum erzieherische Zeigeoperativität jenseits des ‚Menschen‘ sozialtheoretisch möglich und gar ethisch aus systemtheoretischer Sicht geboten scheint, stellt der vorliegende Beitrag mit Mitteln des Luhmann’schen theoretisch-methodologischen Antihumanismus (nachfolgend: LTMA) dar. Der Beitrag rekonstruiert, dass der LTMA nicht nur eine analytische Beobachtungseinstellung darstellt, sondern auch und v. a. ein explizit eigennormatives, von Luhmann gar selbst so benanntes „Ethos“ birgt, das gerade durch die analytische Verabschiedung des ‚Menschen‘ ihm als „Nichtidentischem“ (sensu Adorno) überhaupt erst gerecht(er) werden kann. ‚Der Mensch‘ liegt theoretisch somit jenseits der Gesellschaft, d. h. in ihrer Umwelt, und damit jenseits der unmittelbar operativen wie ideologischen Zwänge der Vergesellschaftung. Prange hingegen beansprucht zwar auch eine nicht „den Menschen verkennende“ Theorie, muss damit aber – so meine These – in der Einlösung scheitern, da er meiner Lesart nach eine substanzmetaphysisch-anthropologische ‚Wesensschau‘ vertritt, bei der der Erzieher zudem asymmetrisch und absolut im Geltungsanspruch darüber befindet, was zum Educandus „passt“, wenn er sich selbst „nicht verleugnen“ will. Legt man den LTMA als kontrastive Beobachtungsfolie über Pranges Operative Pädagogik, zeigt sich entsprechend an ausgewählten Belegstellen, dass Pranges Educandus-Entwurf gemäß den Ansprüchen des LTMA nicht haltbar ist. – Die Argumentation gliedert sich hierfür in drei Schritte: Die Abschn. 1, 2 und 3 legen ausgewählte Grundlagen zur Eigenlogik systemtheoretischer Erziehungsanalytik. Das ‚Herz‘ des Beitrags bilden die Abschn. 4 und 5, in denen es um das in der Eigenlogik systemtheoretischen Denkens verankerte Ethos des LTMA geht. Abschn. 6 wendet den LTMA auf die Operative Pädagogik an. Abschn. 7 gibt zuletzt einen Ausblick darauf, erzieherisches Zeigen jenseits ‚des Menschen‘ weiterzudenken.