Der Begriff des Klassismus, der spätestens seit 2020 auch in deutschen öffentlichen Diskursen Verbreitung fand, steht für die Sichtbarmachung von Ungleichheits- und Diskriminierungsphänomenen aufgrund der sozialen Klassenzugehörigkeit. Der Beitrag stellt grundlegende und teils widerstreitende Verständnisse des Klassismusbegriffs (wie z. B. strukturelle und praxeologische Dimensionen) dar und greift klassistische Phänomene im Kontext aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen auf. Um strukturelle und handlungstheoretische Ebenen miteinander in Beziehung zu setzen, wird auf Pierre Bourdieus herrschaftskritische soziale Reproduktionstheorie zurückgegriffen, besonders auf die Bedeutung der Kapitalverfügbarkeit und symbolischer Herrschaftsverhältnisse. Die Lebenssituationen besonders marginalisierter Gruppen werden angesichts extremer Ungleichheitslagen zudem als strukturelles Gewaltverhältnis diskutiert. Der Klassismusbegriff verfügt über das Potenzial, verschiedene Ebenen (gesellschaftliche und ökonomische Strukturzusammenhänge ebenso wie Diskriminierungen unterer Klassenangehörige in der sozialen Praxis) anzusprechen und auch jene Gruppen verstärkt in den Blick nehmen zu können, die – vor allem in spezifischen Klassenkonzepten – bisher vernachlässigt wurden: besonders benachteiligte Gruppen wie Lohnarbeits- und Wohnungslose.

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Klassismus. Über Chancen und Risiken eines neuen Begriffs in einer alten Debatte und die Inklusion marginalisierter Gruppen

  • Christina Möller,
  • Max Holtkamp

摘要

Der Begriff des Klassismus, der spätestens seit 2020 auch in deutschen öffentlichen Diskursen Verbreitung fand, steht für die Sichtbarmachung von Ungleichheits- und Diskriminierungsphänomenen aufgrund der sozialen Klassenzugehörigkeit. Der Beitrag stellt grundlegende und teils widerstreitende Verständnisse des Klassismusbegriffs (wie z. B. strukturelle und praxeologische Dimensionen) dar und greift klassistische Phänomene im Kontext aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen auf. Um strukturelle und handlungstheoretische Ebenen miteinander in Beziehung zu setzen, wird auf Pierre Bourdieus herrschaftskritische soziale Reproduktionstheorie zurückgegriffen, besonders auf die Bedeutung der Kapitalverfügbarkeit und symbolischer Herrschaftsverhältnisse. Die Lebenssituationen besonders marginalisierter Gruppen werden angesichts extremer Ungleichheitslagen zudem als strukturelles Gewaltverhältnis diskutiert. Der Klassismusbegriff verfügt über das Potenzial, verschiedene Ebenen (gesellschaftliche und ökonomische Strukturzusammenhänge ebenso wie Diskriminierungen unterer Klassenangehörige in der sozialen Praxis) anzusprechen und auch jene Gruppen verstärkt in den Blick nehmen zu können, die – vor allem in spezifischen Klassenkonzepten – bisher vernachlässigt wurden: besonders benachteiligte Gruppen wie Lohnarbeits- und Wohnungslose.