Gesellschaft als Raum von Bedeutung – dieser Zuschnitt verweist zunächst auf all jene Ansätze soziologischer Theorie, die sich mit der Frage der Strukturierung und Strukturiertheit von Praktiken, Denkweisen, Gefühlen und Affekten von Subjekten beschäftigen und die dabei die Rolle von Zeichen- oder Bedeutungssystemen hervorheben. Solche Ansätze lassen sich in mehreren Theorietraditionen finden, vor allem in strukturalistischen und poststrukturalistischen Theorien. Im Anschluss an die strukturale Linguistik von Ferdinand de Saussure, Antoine de Meillet und Roman Jakobson versteht Claude Lévi-Strauss das Symbolische, die Zeichen- oder Bedeutungssysteme als identisch mit dem Sozialen, als dieselbe Logik teilend: „Wie die Sprache ist das Soziale eine (und zwar dieselbe) autonome Realität; die Symbole sind realer als das, was sie symbolisieren, der Signifikant geht dem Signifikat voraus und bestimmt es“ (Lévi-Strauss 1989, S. 26). Weiterhin betont Lévi-Strauss, dass die Gegensatzpaare, die Bedeutungs- oder Zeichensysteme erzeugen und die sie auszeichnen, „von der Sozialordnung verwendet werden, um sich zu konstituieren“ (Lévi-Strauss 1965, S. 126). Poststrukturalistische und daran anschließend auch postkoloniale oder gendertheoretische Ansätze greifen dies auf, um zu zeigen, wie Subjekte und Kollektive in je spezifischen Diskursen, und insbesondere auch in wissenschaftlichen, formiert (und unterschieden sowie verungleicht) werden. Auch in ganz anderen Theorietraditionen spielt die Ordnung von Bedeutungen eine zentrale Rolle: So erschließen etwa phänomenologische Ansätze individuelles Handeln als aus sinnhaft vorstrukturieren, gesellschaftlich erzeugten Bedeutungen der Welt hervorgehend (und diese wiederum erzeugend). Ähnlich interessieren sich auch Theorien des Neo-Institutionalismus für kollektiv geteilte Bedeutungssysteme, nun als solche, die kultur- und gesellschaftsübergreifende Isomorphien (Strukturgleichheiten) von Institutionen und damit verbundener Handlungsmuster erklären.

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Gesellschaft als Raum von Bedeutung und Differenz

  • Heike Delitz,
  • Julian Müller,
  • Robert Seyfert

摘要

Gesellschaft als Raum von Bedeutung – dieser Zuschnitt verweist zunächst auf all jene Ansätze soziologischer Theorie, die sich mit der Frage der Strukturierung und Strukturiertheit von Praktiken, Denkweisen, Gefühlen und Affekten von Subjekten beschäftigen und die dabei die Rolle von Zeichen- oder Bedeutungssystemen hervorheben. Solche Ansätze lassen sich in mehreren Theorietraditionen finden, vor allem in strukturalistischen und poststrukturalistischen Theorien. Im Anschluss an die strukturale Linguistik von Ferdinand de Saussure, Antoine de Meillet und Roman Jakobson versteht Claude Lévi-Strauss das Symbolische, die Zeichen- oder Bedeutungssysteme als identisch mit dem Sozialen, als dieselbe Logik teilend: „Wie die Sprache ist das Soziale eine (und zwar dieselbe) autonome Realität; die Symbole sind realer als das, was sie symbolisieren, der Signifikant geht dem Signifikat voraus und bestimmt es“ (Lévi-Strauss 1989, S. 26). Weiterhin betont Lévi-Strauss, dass die Gegensatzpaare, die Bedeutungs- oder Zeichensysteme erzeugen und die sie auszeichnen, „von der Sozialordnung verwendet werden, um sich zu konstituieren“ (Lévi-Strauss 1965, S. 126). Poststrukturalistische und daran anschließend auch postkoloniale oder gendertheoretische Ansätze greifen dies auf, um zu zeigen, wie Subjekte und Kollektive in je spezifischen Diskursen, und insbesondere auch in wissenschaftlichen, formiert (und unterschieden sowie verungleicht) werden. Auch in ganz anderen Theorietraditionen spielt die Ordnung von Bedeutungen eine zentrale Rolle: So erschließen etwa phänomenologische Ansätze individuelles Handeln als aus sinnhaft vorstrukturieren, gesellschaftlich erzeugten Bedeutungen der Welt hervorgehend (und diese wiederum erzeugend). Ähnlich interessieren sich auch Theorien des Neo-Institutionalismus für kollektiv geteilte Bedeutungssysteme, nun als solche, die kultur- und gesellschaftsübergreifende Isomorphien (Strukturgleichheiten) von Institutionen und damit verbundener Handlungsmuster erklären.