Im vorliegenden Beitrag werden Möglichkeiten negativ-dialektischen Denkens erkundet, das als Methode für Theorieentwicklung zugänglich gemacht werden soll. Ausgangspunkt sind zwei Problemlagen: Erstens, dass unter „Methoden“ zumeist nur empirische Herangehensweisen gefasst, während für Theorieentwicklung kaum Methoden ausgeführt werden. Zweitens, dass es keine explizite Methode kritischer Theorie gibt. Die negative Dialektik als eine der eindrücklichsten Ausformulierungen der Grundlagen kritischer Theorie wird von Adorno selbst als Methode und zugleich Nicht-Methode bezeichnet und auch im aktuellen Diskurs wird eine methodische Konkretisierung der negativen Dialektik weitgehend abgelehnt. Dies führt allerdings unweigerlich dazu, dass negativ-dialektisches Denken nur unter sehr hohem Aufwand und nur nach langjähriger Auseinandersetzung mit den Grundlagen und komplexen Feinheiten zugänglich und anwendbar wird. Damit verschließt sich negativ-dialektisches Denken für viele, insbesondere für unerfahrene Forschende, und wird zu einer Analysepraxis, die gerade mit dem aktuellen, verdichteten Wissenschaftsbetrieb nur schwer vereinbar ist. Vor diesem Hintergrund wird im vorliegenden Beitrag ein Entwurf einer negativ-dialektischen Methode der Theorieentwicklung und des kritischen Denkens vorgestellt. Entlang zentraler Aspekte negativer Dialektik – Kritik, Reflexion, Unauflöslichkeit von Widersprüchen, Negation, Nichtidentisches, Konstellationen, Erfahrung und Subjekt – werden Dimensionen und Denkweisen entworfen, die denkleitend eingesetzt werden können und dennoch der Komplexität und den Erkenntnissen der negativen Dialektik gerecht werden.

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Kritisches Denken mit negativer Dialektik

  • Daniela Holzer

摘要

Im vorliegenden Beitrag werden Möglichkeiten negativ-dialektischen Denkens erkundet, das als Methode für Theorieentwicklung zugänglich gemacht werden soll. Ausgangspunkt sind zwei Problemlagen: Erstens, dass unter „Methoden“ zumeist nur empirische Herangehensweisen gefasst, während für Theorieentwicklung kaum Methoden ausgeführt werden. Zweitens, dass es keine explizite Methode kritischer Theorie gibt. Die negative Dialektik als eine der eindrücklichsten Ausformulierungen der Grundlagen kritischer Theorie wird von Adorno selbst als Methode und zugleich Nicht-Methode bezeichnet und auch im aktuellen Diskurs wird eine methodische Konkretisierung der negativen Dialektik weitgehend abgelehnt. Dies führt allerdings unweigerlich dazu, dass negativ-dialektisches Denken nur unter sehr hohem Aufwand und nur nach langjähriger Auseinandersetzung mit den Grundlagen und komplexen Feinheiten zugänglich und anwendbar wird. Damit verschließt sich negativ-dialektisches Denken für viele, insbesondere für unerfahrene Forschende, und wird zu einer Analysepraxis, die gerade mit dem aktuellen, verdichteten Wissenschaftsbetrieb nur schwer vereinbar ist. Vor diesem Hintergrund wird im vorliegenden Beitrag ein Entwurf einer negativ-dialektischen Methode der Theorieentwicklung und des kritischen Denkens vorgestellt. Entlang zentraler Aspekte negativer Dialektik – Kritik, Reflexion, Unauflöslichkeit von Widersprüchen, Negation, Nichtidentisches, Konstellationen, Erfahrung und Subjekt – werden Dimensionen und Denkweisen entworfen, die denkleitend eingesetzt werden können und dennoch der Komplexität und den Erkenntnissen der negativen Dialektik gerecht werden.