Spätestens seit dem Ende des 18. Jahrhundert und bis heute prägend wird die eigentliche Wahrheit – die Ontologie – der Geschlechterdifferenz im natürlich gegebenen und damit vom Sozialen wesentlich unveränderbaren Körper vermutet. Diese „biologische Eigentlichkeit“ wird seit den 1960er-Jahren in der sich entwickelnden wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Geschlecht und im Lichte der feministischen Kritik an problematischen Naturalisierungen als „Sex“ bezeichnet. Gemeint ist damit der sozial unverfügbare, ahistorische biologische Rohstoff der Geschlechtlichkeit. Davon wird seitdem „Gender“ unterschieden, die in Praxis gestaltbare, historisch variable, gleichermaßen identitätsrelevante wie sozialstrukturelle Dimension von Geschlechtlichkeit. Diese englischsprachige Unterscheidung von Sex und Gender wird international, aber auch im deutschsprachigen Raum verwendet, weil der Begriff „Geschlecht“ hier nicht unterscheidet und damit zu unspezifisch ist. Aktuelle Debatten betonen die nicht-hierarchische Ko-Konstitution von Sex und Gender und verweisen auf das „entanglement“ von Natur und Kultur der biosozialen Geschlechtlichkeit.

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Sex – Gender

  • Paula-Irene Villa

摘要

Spätestens seit dem Ende des 18. Jahrhundert und bis heute prägend wird die eigentliche Wahrheit – die Ontologie – der Geschlechterdifferenz im natürlich gegebenen und damit vom Sozialen wesentlich unveränderbaren Körper vermutet. Diese „biologische Eigentlichkeit“ wird seit den 1960er-Jahren in der sich entwickelnden wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Geschlecht und im Lichte der feministischen Kritik an problematischen Naturalisierungen als „Sex“ bezeichnet. Gemeint ist damit der sozial unverfügbare, ahistorische biologische Rohstoff der Geschlechtlichkeit. Davon wird seitdem „Gender“ unterschieden, die in Praxis gestaltbare, historisch variable, gleichermaßen identitätsrelevante wie sozialstrukturelle Dimension von Geschlechtlichkeit. Diese englischsprachige Unterscheidung von Sex und Gender wird international, aber auch im deutschsprachigen Raum verwendet, weil der Begriff „Geschlecht“ hier nicht unterscheidet und damit zu unspezifisch ist. Aktuelle Debatten betonen die nicht-hierarchische Ko-Konstitution von Sex und Gender und verweisen auf das „entanglement“ von Natur und Kultur der biosozialen Geschlechtlichkeit.