Verkehrswachstum und soziale Kämpfe: Von der Überflussgesellschaft zur gerechten Ökonomie
摘要
Die etablierte Verkehrswissenschaft begreift Verkehrswachstum als einen unaufhaltsamen gleichsam naturhaften Prozess, der nicht politisch gestaltet werden kann, sondern durch technische Maßnahmen zu kanalisieren ist und dadurch ‚beherrschbar‘ wird. Darüber hinaus betont das Bundesverkehrsministerium immer wieder die zentrale Bedeutung des Verkehrs für eine prosperierende Wirtschaftsentwicklung. Demnach ist das angestrebte Wirtschaftswachstum notwendigerweise mit Verkehrswachstum verbunden. Ein Ergebnis davon ist, dass der Verkehr bis heute als einziger Sektor keinen Beitrag zur Reduktion der Klimagase leistet. Demgegenüber wählt der vorliegende Beitrag eine andere Herangehensweise, indem die Verkehrsentwicklung im Kontext kapitalistischer Vergesellschaftung analysiert wird. Verkehr wird im Rahmen des konkreten gesellschaftlichen Herrschaftszusammenhangs betrachtet und mit Blick auf soziale Ungleichheit thematisiert. Diese Perspektive eröffnet politische Handlungsspielräume durch soziale Kämpfe. Es wird herausgearbeitet, dass eine nachhaltige Verkehrsentwicklung nicht allein durch technische Innovationen zu erreichen ist, sondern nur das Resultat gerechter sozialer Verhältnisse sein kann. Die zentrale Einsicht lautet, dass besonders nachhaltige Mobilitätsverhalten der unteren Einkommensgruppen zum Ausgangspunkt des politischen Kampfs für eine zukunftsfähige Verkehrsentwicklung zu machen.