Im Sinne eines heuristischen Verfahrens mag es genügen, die Aktualität eines Denkers an dessen lexikalischer Präsenz zu bemessen. Hatte Wolfgang Harich auf diese Weise spätestens 1981 ein allgemein schwindendes Interesse an der ‚Neuen Ontologie‘ Nicolai Hartmanns registriert, da er dessen Werk in einem populären Konversationslexikon auf nur eine, offenbar einzig noch erwähnenswerte Schrift reduziert vorfand, so ließen auch Umfang und Ausführungen der monumentalen Enzyklopädien Musik in Geschichte und Gegenwart (1994–2008) und Riemann Musik-Lexikon (2012) allenfalls auf ein marginales fachwissenschaftliches Interesse an der musikästhetischen Konzeption Hartmanns schließen, der Mangel des Lemmas sowohl im englischsprachigen New Grove als auch im italienischen Dizionario enciclopedico universale della musica e dei musicisti zudem auf eine vornehmlich deutsche Rezeption. Für das Fach federführend zeigte sich Walter Wioras ,Hartmann‘-Artikel in der 1949–1968 von Friedrich Blume herausgegebenen ersten Auflage des MGG, doch ließe sich angesichts des dortigen Schweigens zu den Stichworten ,Adorno‘ und ,Neue Musik‘ bzw. der Ächtung atonaler Musik durch Albert Wellek argwöhnen, allein ein konservativer Konsens habe das Interesse auf ein Thema gelenkt, das avantgardistischere Kreise bereits zu dieser Zeit bedenkenlos übergangen hätten.

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Vom musikalisch Schönen – Nicolai Hartmanns Musikästhetik

  • Michael Gehlmann

摘要

Im Sinne eines heuristischen Verfahrens mag es genügen, die Aktualität eines Denkers an dessen lexikalischer Präsenz zu bemessen. Hatte Wolfgang Harich auf diese Weise spätestens 1981 ein allgemein schwindendes Interesse an der ‚Neuen Ontologie‘ Nicolai Hartmanns registriert, da er dessen Werk in einem populären Konversationslexikon auf nur eine, offenbar einzig noch erwähnenswerte Schrift reduziert vorfand, so ließen auch Umfang und Ausführungen der monumentalen Enzyklopädien Musik in Geschichte und Gegenwart (1994–2008) und Riemann Musik-Lexikon (2012) allenfalls auf ein marginales fachwissenschaftliches Interesse an der musikästhetischen Konzeption Hartmanns schließen, der Mangel des Lemmas sowohl im englischsprachigen New Grove als auch im italienischen Dizionario enciclopedico universale della musica e dei musicisti zudem auf eine vornehmlich deutsche Rezeption. Für das Fach federführend zeigte sich Walter Wioras ,Hartmann‘-Artikel in der 1949–1968 von Friedrich Blume herausgegebenen ersten Auflage des MGG, doch ließe sich angesichts des dortigen Schweigens zu den Stichworten ,Adorno‘ und ,Neue Musik‘ bzw. der Ächtung atonaler Musik durch Albert Wellek argwöhnen, allein ein konservativer Konsens habe das Interesse auf ein Thema gelenkt, das avantgardistischere Kreise bereits zu dieser Zeit bedenkenlos übergangen hätten.