Schriftlich beginnt Canetti seine Erinnerungen an das englische Exil als Fünfundachtzigjähriger zu fixieren (1990), wobei er eine grundsätzliche „Verwirrung“ (PiB 7) darüber gleich zu Anfang bekundet, wie er Land und Leute ‚wirklich‘ einschätzen solle und könne. Drei Jahre später schließt er diese Erinnerungen ab, die zunächst Schilderungen und Reflexionen der ersten Exilzeit in London beinhalten, dann während der Evakuierung in Amersham, danach wieder aus dem Nachkriegs-London, in Hampstead. Im Verhältnis zu seiner großen autobiographischen Trilogie Die gerettete Zunge. Geschichte einer Jugend (1977), Die Fackel im Ohr (1980) und Das Augenspiel (1985) wirkt Party im Blitz eher wie ein Anhang, ein afterthought oder eine nachgetragene Erinnerungsfolge, weitgehend aus polemischen bis boshaften Charakterskizzen bestehend, die in der Tonlage jene der Sammlung Der Ohrenzeuge (1974) deutlich verschärfen. Autobiographische Aufzeichnungen sind (nicht nur) bei Canetti stets auch als Versuche über das Erinnern lesbar (vgl. Durzak 2005, 115–116).

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Party im Blitz. Die Englischen Jahre

  • Rüdiger Görner

摘要

Schriftlich beginnt Canetti seine Erinnerungen an das englische Exil als Fünfundachtzigjähriger zu fixieren (1990), wobei er eine grundsätzliche „Verwirrung“ (PiB 7) darüber gleich zu Anfang bekundet, wie er Land und Leute ‚wirklich‘ einschätzen solle und könne. Drei Jahre später schließt er diese Erinnerungen ab, die zunächst Schilderungen und Reflexionen der ersten Exilzeit in London beinhalten, dann während der Evakuierung in Amersham, danach wieder aus dem Nachkriegs-London, in Hampstead. Im Verhältnis zu seiner großen autobiographischen Trilogie Die gerettete Zunge. Geschichte einer Jugend (1977), Die Fackel im Ohr (1980) und Das Augenspiel (1985) wirkt Party im Blitz eher wie ein Anhang, ein afterthought oder eine nachgetragene Erinnerungsfolge, weitgehend aus polemischen bis boshaften Charakterskizzen bestehend, die in der Tonlage jene der Sammlung Der Ohrenzeuge (1974) deutlich verschärfen. Autobiographische Aufzeichnungen sind (nicht nur) bei Canetti stets auch als Versuche über das Erinnern lesbar (vgl. Durzak 2005, 115–116).