Internationale Wirkung und Rezeption
摘要
Im vorletzten Kapitel seiner Lebensgeschichte Das Augenspiel erzählt Elias Canetti von einem Besuch in Prag, bei dem er auf die Einladung H.G. Adlers hin die tschechische Übersetzung seines Romans Die Blendung vorstellte (AS 286–295), die sofort nach der deutschen Erstveröffentlichung in Auftrag gegeben worden sein muss (Zaslepeni [Geblendet], cz. Zdenka Münzrova, Prag, 1936). Eine Wirkung in Deutschland war für den jüdischen Anhänger der Avantgarde erst nach dem Ende des Nationalsozialismus denkbar; in Österreich waren die Aussichten nicht besser. Entscheidend für Canettis Karriere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die internationale Rezeption seiner Werke, vor allem der englischen und französischen Fassungen der Blendung. Veronica Wedgwoods Übersetzung ‚under personal supervision by the author‘ (Auto-da-Fé, London/New York, 1946; Tower of Babel, New York, 1947) beförderte sowohl eine Neuauflage der Blendung (München, 1948) als auch eine französische Übertragung, die zuerst nach Vorbild des US-amerikanischen Titels erschienen war (La Tour de Babel, fr. Paule Arhex, Grenoble/Paris, 1949). La Tour de Babel gewann daraufhin 1949 den neu ins Leben gerufenen ‚Prix du Meilleur Livre étranger‘. In seinem Brief an Leonore Germann vom Hanser Verlag von 1962 erwähnt Canetti einen Artikel in Le Monde von Marcel Brion (Brion 1949) und Radio-Vorträge im BBC von Professor [Jack] Isaacs, die für sein literarisches Geschick am Ende der 1940er-Jahre an beiden Ufern des Ärmelkanals richtungsweisend waren (Br 156–158). Im gleichen Schreiben verweist er auch auf den britischen Marxisten Raymond Williams, der in seinen theoretischen und kritischen Schriften den Roman Auto-da-Fé immer richtig eingeschätzt habe (vgl. Williams 1950, 23; 1962).