Groteske/Karikatur
摘要
In den Dramen- und Erzählwelten der beiden Canettis sind die poetischen Verfahren der Karikatur und des Grotesken omnipräsent. Die zwei Darstellungsmodi vereint ein Moment der künstlerischen Verzerrung eines Gegenstands bzw. der Verfremdung der ‚Wirklichkeit‘. Während in der Karikatur die Deformation qua Pointierung einer physiognomischen, sprachlichen oder charakterlichen Eigenschaft geschieht, die ‚Natur‘ also übertrieben wird, handelt es sich beim Grotesken um „eine monströse, gegen die Natur gezeichnete Gestaltungsweise“ (Rösch 2007, 234). Wo die Karikatur analog zur Satire noch die Gegenüberstellung von verzeichneter Norm und idealer Gegennorm aufrechthält, betreibt das Groteske die Auflösung jeglicher Ordnungs- und Sinnstrukturen. Paradigmatisch für diese Tendenz ist eine Vermischung und Kopräsenz des Disparaten. Solcher Eklektizismus, zumal in der Koexistenz von Komik und Grauen, ist für das Groteske im Unterschied zur Karikatur konstitutiv (vgl. Wagner 2017, 53–60; Sorg 2007).