Als Philosoph hat sich Elias Canetti nie verstanden, er war aber ein ausgiebiger Leser und großer „Kommentator der Philosophiegeschichte“ (Schneider 2010, 66). Während seines Studiums der Chemie in Wien (1924–1928) hörte er auch Vorlesungen zur Geschichte der europäischen Philosophie bei Heinrich Gomperz, bei dem er sein Philosophikum mit Auszeichnung bestand (vgl. Hanuschek 2005, 116–117). Gomperz hatte „die größte philosophische Bibliothek in Wien“ (FiO 315), Hanuschek rechnet ihn sogar „unter die Anreger“ für den Büchermenschen Peter Kien in der Blendung (Hanuschek 2005, 241). Gomperz verlieh daraus Bände an seinen schwer behinderten Doktoranden Herbert Patek (in der Autobiographie Thomas Marek genannt), der in Ermangelung von Händen die Seiten nur mit der Zunge umblättern konnte. Unter einer Kopie von Giorgiones Renaissancegemälde „Die drei Philosophen“ unterhielt sich Canetti wiederholt mit ihm über philosophische Werke (FiO 317, 322).

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Philosophie

  • Alexander Košenina

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Als Philosoph hat sich Elias Canetti nie verstanden, er war aber ein ausgiebiger Leser und großer „Kommentator der Philosophiegeschichte“ (Schneider 2010, 66). Während seines Studiums der Chemie in Wien (1924–1928) hörte er auch Vorlesungen zur Geschichte der europäischen Philosophie bei Heinrich Gomperz, bei dem er sein Philosophikum mit Auszeichnung bestand (vgl. Hanuschek 2005, 116–117). Gomperz hatte „die größte philosophische Bibliothek in Wien“ (FiO 315), Hanuschek rechnet ihn sogar „unter die Anreger“ für den Büchermenschen Peter Kien in der Blendung (Hanuschek 2005, 241). Gomperz verlieh daraus Bände an seinen schwer behinderten Doktoranden Herbert Patek (in der Autobiographie Thomas Marek genannt), der in Ermangelung von Händen die Seiten nur mit der Zunge umblättern konnte. Unter einer Kopie von Giorgiones Renaissancegemälde „Die drei Philosophen“ unterhielt sich Canetti wiederholt mit ihm über philosophische Werke (FiO 317, 322).