Musik spielt für Canetti eine untergeordnete Rolle. Natürlich ist er mit ihr wie jeder schöpferische Mensch in Berührung gekommen. Der Komplex „Canetti und Musik“ drängt sich als Forschungsgegenstand vom Werk her aber nicht auf. Die Entdeckung kompositorischer Prinzipien in der literarischen Produktion zählt dabei nicht, weil die Musik dann in abstrahierter Form in ein anderes Medium transponiert wird. Aus der biographischen Forschung sind für Canettis Verhältnis zur Musik selbst nur eine überschaubare Menge von Informationen überliefert: „über lange Abschnitte seines Lebens hinweg scheint er ohne sie ausgekommen zu sein“ (Hanuschek 2005, 211). Dieser Befund gilt auch für Canettis schriftstellerische Arbeit und gewinnt an Aussagekraft, wenn man durch Vergleiche betont, dass dieses thematische Tacet durchaus nicht im Trend der Zeit liegt. Anders als Thomas Mann stößt Canetti nicht zu einer analytischen Verbalisierung musikalischer Werke vor. Keine Kooperation wie Hofmannsthal/Strauss oder Brecht/Weill realisiert sich bei ihm zwischen Literatur und Tonkunst. Zu musikphilosophischen oder -theoretischen Entwürfen von Autoren wie Adorno, Bloch, Günter Anders, Max Weber oder Simmel findet sich bei Canetti kein systematisches Gegenstück.

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Musik

  • Michael Bastian Weiß

摘要

Musik spielt für Canetti eine untergeordnete Rolle. Natürlich ist er mit ihr wie jeder schöpferische Mensch in Berührung gekommen. Der Komplex „Canetti und Musik“ drängt sich als Forschungsgegenstand vom Werk her aber nicht auf. Die Entdeckung kompositorischer Prinzipien in der literarischen Produktion zählt dabei nicht, weil die Musik dann in abstrahierter Form in ein anderes Medium transponiert wird. Aus der biographischen Forschung sind für Canettis Verhältnis zur Musik selbst nur eine überschaubare Menge von Informationen überliefert: „über lange Abschnitte seines Lebens hinweg scheint er ohne sie ausgekommen zu sein“ (Hanuschek 2005, 211). Dieser Befund gilt auch für Canettis schriftstellerische Arbeit und gewinnt an Aussagekraft, wenn man durch Vergleiche betont, dass dieses thematische Tacet durchaus nicht im Trend der Zeit liegt. Anders als Thomas Mann stößt Canetti nicht zu einer analytischen Verbalisierung musikalischer Werke vor. Keine Kooperation wie Hofmannsthal/Strauss oder Brecht/Weill realisiert sich bei ihm zwischen Literatur und Tonkunst. Zu musikphilosophischen oder -theoretischen Entwürfen von Autoren wie Adorno, Bloch, Günter Anders, Max Weber oder Simmel findet sich bei Canetti kein systematisches Gegenstück.