Hermann Broch sagte 1932 nach einer Lesung aus der Hochzeit in einem Privathaus zu Canetti: „Sie haben die Kraft von Büchner“ (Br 368). Kein Lob hätte größer sein können, für Canetti kam es einem Ritterschlag gleich. Denn die Verehrung für Büchner war grenzenlos, „die Nacht, in der ich den ‚Wozzeck‘ las, war für mich vielleicht die wichtigste Nacht meines Lebens“ (Br 368). Vierzig Jahre später vertieft Canetti dieses prägende Erlebnis – wie dann erneut in der Autobiographie (vgl. As 14–22) – in seiner Dankesrede zur Verleihung des Büchner-Preises (1972). Er berichtet von seiner ersten, gleich mehrfachen Lektüre des Woyzeck in einer einzigen Nacht im Herbst 1931 (vgl. Hanuschek 2005, 194) – unmittelbar nach Abschluss der Blendung –, die ihn „wie vom Donner gerührt“, tief „getroffen“ (GdW 224) zurückließ, „als hätte der Blitz in mich eingeschlagen“ (As 14). Er eilt sogleich zu Veza, die „viel belesener“ als er selbst war und Büchner bereits als Zwanzigjährige kennengelernt hatte, und beschimpft sie für die Nichterwähnung dieses Autors. Sie hatte den Insel-Band sogar vor ihm versteckt, hinter einer Ausgabe Victor Hugos, „flach gegen die Rückwand des Schrankes gepreßt“ (As 17). Ihre kluge Begründung für diese Vorenthaltung lautete: „Sei doch froh […], wie hättest du sonst selber etwas schreiben können!“ (GdW 224; vgl. As 17). Die noch am gleichen Morgen angeschlossene Lektüre des Lenz beweist, wie recht Veza hatte, denn „über diesem ‚Lenz‘ schrumpfte mir die ‚Blendung‘ […] fürchterlich ein“ (GdW 224).

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Georg Büchner

  • Alexander Košenina

摘要

Hermann Broch sagte 1932 nach einer Lesung aus der Hochzeit in einem Privathaus zu Canetti: „Sie haben die Kraft von Büchner“ (Br 368). Kein Lob hätte größer sein können, für Canetti kam es einem Ritterschlag gleich. Denn die Verehrung für Büchner war grenzenlos, „die Nacht, in der ich den ‚Wozzeck‘ las, war für mich vielleicht die wichtigste Nacht meines Lebens“ (Br 368). Vierzig Jahre später vertieft Canetti dieses prägende Erlebnis – wie dann erneut in der Autobiographie (vgl. As 14–22) – in seiner Dankesrede zur Verleihung des Büchner-Preises (1972). Er berichtet von seiner ersten, gleich mehrfachen Lektüre des Woyzeck in einer einzigen Nacht im Herbst 1931 (vgl. Hanuschek 2005, 194) – unmittelbar nach Abschluss der Blendung –, die ihn „wie vom Donner gerührt“, tief „getroffen“ (GdW 224) zurückließ, „als hätte der Blitz in mich eingeschlagen“ (As 14). Er eilt sogleich zu Veza, die „viel belesener“ als er selbst war und Büchner bereits als Zwanzigjährige kennengelernt hatte, und beschimpft sie für die Nichterwähnung dieses Autors. Sie hatte den Insel-Band sogar vor ihm versteckt, hinter einer Ausgabe Victor Hugos, „flach gegen die Rückwand des Schrankes gepreßt“ (As 17). Ihre kluge Begründung für diese Vorenthaltung lautete: „Sei doch froh […], wie hättest du sonst selber etwas schreiben können!“ (GdW 224; vgl. As 17). Die noch am gleichen Morgen angeschlossene Lektüre des Lenz beweist, wie recht Veza hatte, denn „über diesem ‚Lenz‘ schrumpfte mir die ‚Blendung‘ […] fürchterlich ein“ (GdW 224).