Die Malerin Marie-Louise von Motesiczky (1906–1996), die über dreihundert Gemälde schuf, dürfte dem Publikum kaum bekannt sein. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde sie international entdeckt (Gombrich 1985; Schlenker 2006). Auch ihre Beziehung zu Canetti verlief überwiegend im Verborgenen. Canetti versuchte zeitlebens, sein enges Verhältnis zu Motesiczky, die über mehr als fünf Jahrzehnte eine wichtige Rolle in seinem Leben spielte, geheim zu halten. In Party im Blitz, Canettis 2003 postum veröffentlichten Erinnerungen an seine Jahre in England, wurde Motesiczky daher kaum erwähnt. Durch die Aufzeichnungen für Marie-Louise, 1942 wohl als Geburtstagsgeschenk entstanden und 2005 aus dem Nachlass herausgegeben, wurde erstmals bekannt, dass Motesiczky einen besonderen Platz an Canettis Seite einnahm (s. Kap.  16 ). 2011 präsentierte Liebhaber ohne Adresse eine Auswahl aus dem umfangreichen Briefwechsel zwischen Canetti und Motesiczky und verschaffte einen genauen Einblick in die komplizierte, intellektuell fruchtbare, tiefe Verbindung zweier Menschen, die durch Flucht vor den Nationalsozialisten nach England geraten waren und die Situation des Exils teilten.

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Briefwechsel Motesiczky

  • Ines Schlenker

摘要

Die Malerin Marie-Louise von Motesiczky (1906–1996), die über dreihundert Gemälde schuf, dürfte dem Publikum kaum bekannt sein. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde sie international entdeckt (Gombrich 1985; Schlenker 2006). Auch ihre Beziehung zu Canetti verlief überwiegend im Verborgenen. Canetti versuchte zeitlebens, sein enges Verhältnis zu Motesiczky, die über mehr als fünf Jahrzehnte eine wichtige Rolle in seinem Leben spielte, geheim zu halten. In Party im Blitz, Canettis 2003 postum veröffentlichten Erinnerungen an seine Jahre in England, wurde Motesiczky daher kaum erwähnt. Durch die Aufzeichnungen für Marie-Louise, 1942 wohl als Geburtstagsgeschenk entstanden und 2005 aus dem Nachlass herausgegeben, wurde erstmals bekannt, dass Motesiczky einen besonderen Platz an Canettis Seite einnahm (s. Kap.  16 ). 2011 präsentierte Liebhaber ohne Adresse eine Auswahl aus dem umfangreichen Briefwechsel zwischen Canetti und Motesiczky und verschaffte einen genauen Einblick in die komplizierte, intellektuell fruchtbare, tiefe Verbindung zweier Menschen, die durch Flucht vor den Nationalsozialisten nach England geraten waren und die Situation des Exils teilten.