Aufzeichnungen für Marie-Louise
摘要
Die Sammlung Aufzeichnungen für Marie-Louise sind ein Geschenk Canettis, „wahrscheinlich zum Geburtstag“ der Malerin Marie-Louise von Motesiczky (1906–1996) am 24.10.1942 (Adler 2005, 116). Das handschriftliche Original mit der Widmung „Für Marie Louise“ und dem Vermerk „aus der Zweiten September-Hälfte 1942“ (AfM [6]) präsentiert sich in seiner Aufmachung als ein Geschenk. Der Herausgeber Jeremy Adler führt weiter aus, dass es sich um 29 mit blau-schwarzer Tinte geschriebene Aufzeichnungen handelt, Titel und Widmung mit gelbem Pastellstift. Die nur recto beschrifteten, am oberen Ende zweifach gelochten 29 Blätter sind mit einer goldenen Schnur zusammengebunden. Es ist das erste Zeugnis von Canettis Aufzeichnungswerk (s. Kap. 15 ). Die 2005 entdeckte Handschrift für die aus Wien nach dem „Anschluss“ emigrierte Malerin wird heute vom ‚Marie-Louise von Motesiczky Charitable Trust, London‘ aufbewahrt. Seine Entdeckung und Edition verdankt sich Jeremy Adler, dem Sohn von Hans Günther bzw. H.G. Adler (Hanuschek 2005, 330, 399), der wie sein Vater sowohl mit Marie-Louise von Motesiczky als auch mit Elias Canetti befreundet war. Die vollständige Reproduktion des Manuskripts ist ein Indiz dafür, dass der Herausgeber sich von dem Zusammenhang zwischen der materialen Gestalt und dessen Bestimmung bewusst war. Einzelne Aphorismen scheinen sich sogar auf die Sammlung selbst zu beziehen: „Es sah aus wie beschriebenes Papier. Aber es war eine Sprache, die noch keiner entziffert hatte.“ (AfM 59)