Der Kritiker
摘要
Just zu einer Zeit, da der Bedeutungsverlust der Kritik ins öffentliche Bewusstsein drang, etablierte sich in den 1970er-Jahren mit Marcel Reich-Ranicki ein ‚Literaturpapst‘ von immensem Einfluss. In seinem Schatten verlor das kritische Gewerbe, ob im Dienste einer Popularisierung und Kommerzialisierung, ob dagegen positioniert, zusehends an Wirkmacht und Raum im gedruckten Feuilleton, während Online-Formen auch laienhafter Kritik immer wichtiger wurden. Rezensentinnen blieben in einem männlich dominierten Feld lange auf die Bereiche weiblichen Schreibens festgelegt und misogynem Ressentiment ausgesetzt, bis nach der Jahrtausendwende einige wenige als leitende Redakteurinnen auch ökonomisch im ‚Betrieb‘ Fuß fassen konnten. Als Branche im radikalen medialen Umbruch bescherte die Literaturkritik den sie Ausübenden angesichts eines marginalisierten Bildungsbürgertums nicht nur Selbstzweifel und Existenzängste, sondern in der digitalen Welt auch neue Wege fundierter Auseinandersetzung.