Dieser Beitrag schlägt vor, die in der jüngeren Literaturtheorie seit einiger Zeit entwickelte Methode des Queer Readings auf Erzähltexte Hermann Hesses anzuwenden; die leitende These ist, dass hierdurch in Hesses Erzählungen queere, homoerotische Strukturen in Bezug auf (meist) männliche Hauptfiguren im Text sichtbar werden. Das Interesse richtet sich besonders auf die sprachlichen Darstellungsformen und -weisen, mit welchen (u. a. intime) Begegnungen von Knaben untereinander oder auch zwischen einem Knaben und einem Mädchen geschildert werden. In aktueller Forschung und Kritik werden die Beziehungen zwischen Knaben selten aus queerer Perspektive thematisiert. Oft wird mittels Deutungsmustern aus der Psychoanalyse das homoerotische Ereignis auf eine heteronormative, binäre Ebene verschoben, wodurch die Bisexualität und Genderfluidität der Figuren unerwähnt bleibt. Die folgenden Ausführungen orientieren sich primär an dem Ansatz von Andreas Blödorn, der die queere Lesart im Sinne der Narratologie präzisiert und systematisiert hat. Zu Beginn wird das Queer Reading als Methode vorgestellt. Anschließend werden queere Erzähl-Spuren in Hesses Erzähltexten Unterm Rad und Erwin beispielhaft aufgezeigt; abschließend werden anhand der vorgestellten Texte bestimmte Muster und Variationen nachgezeichnet.

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Homosexuelle und nonbinäre Geschlechts-Konfigurationen (Queering Hesse)

  • Anaïs Steiner

摘要

Dieser Beitrag schlägt vor, die in der jüngeren Literaturtheorie seit einiger Zeit entwickelte Methode des Queer Readings auf Erzähltexte Hermann Hesses anzuwenden; die leitende These ist, dass hierdurch in Hesses Erzählungen queere, homoerotische Strukturen in Bezug auf (meist) männliche Hauptfiguren im Text sichtbar werden. Das Interesse richtet sich besonders auf die sprachlichen Darstellungsformen und -weisen, mit welchen (u. a. intime) Begegnungen von Knaben untereinander oder auch zwischen einem Knaben und einem Mädchen geschildert werden. In aktueller Forschung und Kritik werden die Beziehungen zwischen Knaben selten aus queerer Perspektive thematisiert. Oft wird mittels Deutungsmustern aus der Psychoanalyse das homoerotische Ereignis auf eine heteronormative, binäre Ebene verschoben, wodurch die Bisexualität und Genderfluidität der Figuren unerwähnt bleibt. Die folgenden Ausführungen orientieren sich primär an dem Ansatz von Andreas Blödorn, der die queere Lesart im Sinne der Narratologie präzisiert und systematisiert hat. Zu Beginn wird das Queer Reading als Methode vorgestellt. Anschließend werden queere Erzähl-Spuren in Hesses Erzähltexten Unterm Rad und Erwin beispielhaft aufgezeigt; abschließend werden anhand der vorgestellten Texte bestimmte Muster und Variationen nachgezeichnet.