Rundfunk, Radio
摘要
Hermann Hesse gilt noch immer als Verächter des Radios. Anlass dafür sind jene Passagen in seinem Roman Der Steppenwolf, wo der Erzähler Harry Haller das noch junge Medium als „Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi“ (4, 198) charakterisiert. Dieses Zitat passt zum Bild, das man von Hesse als Modernitätskritiker hat (vgl. Delabar 2004, 264 f.). Freilich kommt es aus dem Mund einer Romanfigur, der von einer anderen Figur, nämlich Mozart, heftig widersprochen wird: „Leuten von Ihrer Art steht es durchaus nicht zu, am Radio oder am Leben Kritik zu üben. Lernen Sie lieber erst zuhören! […] Wenn Sie dem Radio zuhören, so hören und sehen Sie den Urkampf zwischen Idee und Erscheinung“ (4, 199). Mit diesem an Platon orientierten Argument wird eine im weitesten Sinn ontologisch geprägte Medientheorie aufgerufen, gemäß derer ein geistiger Gehalt bzw. eine Idee nur medial vermittelt in Erscheinung tritt. Anders als bei Platon aber, der daraus eine Kritik an der sinnlichen Evidenz ableitet, sind für Hesse im Steppenwolf mediale ‚Verunreinigungen‘ gleichsam Teil der Ideen selbst bzw. diese sind in ihren je unterschiedlichen historischen und kulturellen Realisationen kaum davon zu trennen (vgl. Goebel 2011).