Hören und Analysieren
摘要
Während sich Analyse in erster Linie auf die werkhafte, in Notenzeichen festgelegte Seite von Musik bezieht, löst sich das Gegenständliche, Fixierbare und Objektivierbare im Hören teilweise auf. Beide Zugangsweisen sind trotz ihrer Verschiedenheit insbesondere in der europäischen Kunstmusik aufeinander angewiesen. Die »Aufmerksamkeitsfilter«, die in der musikalischen Wahrnehmung wirksam werden, können durch analytisches Wissen beeinflusst werden. Umgekehrt vermag die auditive Rezeption auf Analyse zurückzuwirken: In ihrer Mobilität und Variabilität unterläuft sie Absolutheitsansprüche der Analyse und bringt zahlreiche Komponenten der Musik zur Geltung, die im Notat nicht oder nur indirekt gegenwärtig sind. Dichotomische Auffassungen vom Verhältnis zwischen Analysieren und Hören, wie sie in der Musikpsychologie vorherrschen, greifen daher zu kurz, ebenso Versuche, einer der beiden Zugangsweisen eine Vorrangstellung zuzuschreiben. Zwei kurze Beispiele dienen zur Veranschaulichung des Gesagten: Schumann, Bunte Blätter op. 99, Albumblatt I und Beethoven, »Sturmsonate«, erster Satz.