In der Zeit zwischen dem 18. Jahrhundert, mithin dem Zeitalter der Aufklärung, und der Philosophie der nachhegelschen Epoche, die als Beginn der Moderne um die Mitte des 19. Jahrhunderts gilt, setzt der philosophische Altersdiskurs neue Akzente im Spannungsfeld von Anthropologie, Moral, Naturphilosophie und Geschichtsdenken. Die Aufklärung sieht im Altern einen Reifeprozess der Vernunft und erhebt das Alter zum Symbol moralischer Reife und gesellschaftlicher Autorität, getragen von Rationalität und Menschenliebe. Kant behandelt das Alter unter dem Aspekt der Vernunft und der Lebensverlängerung. Schon Herder knüpft es an den Naturkreislauf. In Romantik und Idealismus schließlich wird das Altern als organismischer Prozess begriffen, der in Natur- und Lebensmetaphern gedeutet wird. Schelling konzipiert das Altern wirkmächtig für die Altersmedizin der Zeit im Rahmen seines Organismusgedankens und Hegel deutet es als Rückkehr zur Allgemeinheit des Geistes. Mit der nachhegelschen Philosophie diversifiziert sich der Diskurs: Schopenhauer begründet die Idee einer Altersweisheit, Kierkegaard interpretiert Altern als existenzielle Erfahrung von Vergänglichkeit. So wird das Alter nicht nur als biologische Phase, sondern auch als kulturell-symbolische Figur sichtbar, die der Philosophie zur Selbstvergewisserung über Endlichkeit und Geschichtlichkeit dient.

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Philosophie von der Aufklärung bis zur nachhegelschen Epoche

  • Armin G. Wildfeuer

摘要

In der Zeit zwischen dem 18. Jahrhundert, mithin dem Zeitalter der Aufklärung, und der Philosophie der nachhegelschen Epoche, die als Beginn der Moderne um die Mitte des 19. Jahrhunderts gilt, setzt der philosophische Altersdiskurs neue Akzente im Spannungsfeld von Anthropologie, Moral, Naturphilosophie und Geschichtsdenken. Die Aufklärung sieht im Altern einen Reifeprozess der Vernunft und erhebt das Alter zum Symbol moralischer Reife und gesellschaftlicher Autorität, getragen von Rationalität und Menschenliebe. Kant behandelt das Alter unter dem Aspekt der Vernunft und der Lebensverlängerung. Schon Herder knüpft es an den Naturkreislauf. In Romantik und Idealismus schließlich wird das Altern als organismischer Prozess begriffen, der in Natur- und Lebensmetaphern gedeutet wird. Schelling konzipiert das Altern wirkmächtig für die Altersmedizin der Zeit im Rahmen seines Organismusgedankens und Hegel deutet es als Rückkehr zur Allgemeinheit des Geistes. Mit der nachhegelschen Philosophie diversifiziert sich der Diskurs: Schopenhauer begründet die Idee einer Altersweisheit, Kierkegaard interpretiert Altern als existenzielle Erfahrung von Vergänglichkeit. So wird das Alter nicht nur als biologische Phase, sondern auch als kulturell-symbolische Figur sichtbar, die der Philosophie zur Selbstvergewisserung über Endlichkeit und Geschichtlichkeit dient.