Der Artikel referiert einleitend die bisherigen Forschungsauffassungen zu Thomas Manns Naturvorstellungen, die in Anlehnung an Nietzsche und Schopenhauer auf dem Gegensatz zwischen ›Geist‹ und ›Natur‹ fußen. Im zweiten Schritt werden die Prämissen des Ecocriticism bzw. der umweltbezogenen Literatur- und Kulturwissenschaft erläutert sowie die aktuellen Tendenzen innerhalb des Forschungsfelds benannt. Aus dieser Forschungsperspektive folgen exemplarische Analysen einzelner Aspekte im Zauberberg. So gelangt die scheiternde Beherrschung der äußeren und inneren Natur im Davoser Sanatorium ebenso in den Blick wie auch die agency von Alpen, Luft und Bakterien. Der menschliche Körper wird auf eine Weise im Roman beschrieben, dass dessen physiologische Nähe zur tierlichen Natur hervortritt. Pflanzen begegnen im Zauberberg etwa als Alpenvegetation, die sich Hans Castorp botanisierend erschließt. Die Akelei wird zu einem versteckten Leitmotiv des Romans. Auf mehreren Ebenen zeigt sich eine enge Verbindung zwischen Pflanzen und Tod. Bezeichnend für den Protagonisten ist, dass noch am Ende der Lindenbaum aus dem Lied Am Brunnen vor dem Tore ein erinnerter sowie ein kulturell und medial gebundener bleibt. Die direkte Begegnung mit dem Lebendigen scheut der Protagonist bis zum Schluss.

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Ecocriticism

  • Urte Stobbe

摘要

Der Artikel referiert einleitend die bisherigen Forschungsauffassungen zu Thomas Manns Naturvorstellungen, die in Anlehnung an Nietzsche und Schopenhauer auf dem Gegensatz zwischen ›Geist‹ und ›Natur‹ fußen. Im zweiten Schritt werden die Prämissen des Ecocriticism bzw. der umweltbezogenen Literatur- und Kulturwissenschaft erläutert sowie die aktuellen Tendenzen innerhalb des Forschungsfelds benannt. Aus dieser Forschungsperspektive folgen exemplarische Analysen einzelner Aspekte im Zauberberg. So gelangt die scheiternde Beherrschung der äußeren und inneren Natur im Davoser Sanatorium ebenso in den Blick wie auch die agency von Alpen, Luft und Bakterien. Der menschliche Körper wird auf eine Weise im Roman beschrieben, dass dessen physiologische Nähe zur tierlichen Natur hervortritt. Pflanzen begegnen im Zauberberg etwa als Alpenvegetation, die sich Hans Castorp botanisierend erschließt. Die Akelei wird zu einem versteckten Leitmotiv des Romans. Auf mehreren Ebenen zeigt sich eine enge Verbindung zwischen Pflanzen und Tod. Bezeichnend für den Protagonisten ist, dass noch am Ende der Lindenbaum aus dem Lied Am Brunnen vor dem Tore ein erinnerter sowie ein kulturell und medial gebundener bleibt. Die direkte Begegnung mit dem Lebendigen scheut der Protagonist bis zum Schluss.