Kunstverständnis und Ästhetik
摘要
Christoph Schlingensiefs Aktionen, TV-Reenactments und Theaterabende schaffen die Kunst ab, um sie zu retten (vgl. Hegemann 1999, 638); die bürgerliche Kunst, deren Autonomie (politische) Ohnmacht bedeutet (vgl. Bürger 1974, 29), wird durch eine entgrenzte, intermediale und interaktive Ästhetik ersetzt, die als solche nicht mehr erkennbar sein soll; sie gibt ihren Distinktionsanspruch, Kunst zu sein, auf und bezieht daraus ihre Sprengkraft. Damit steht Schlingensief in der Tradition avantgardistischer Strömungen (vgl. Schößler 2006), die die Kunst samt ihren begrenzenden institutionellen Rahmungen reflektieren und in das ‚Leben‘ zu überführen versuchen (s. Kap. 59). Seine Aktionen lassen die Grenzen zwischen Kunst und Nicht-Kunst sowie zwischen den Medien Film, Theater, Performance und Installation (vgl. Rebentisch 2003) kollabieren und können deshalb als „Interart“ bezeichnet werden (Fischer-Lichte/Hasselmann/Rautzenberg 2010, 8).