Der 2002 erschienene, vom Autor selbst explizit als politisch bezeichnete Roman greift gesellschaftspolitische Probleme der Türkei in den 1990er Jahren auf, projiziert auf die im Nordosten der Türkei gelegene Stadt Kars, einen durch starken Schneefall von der Außenwelt abgeschirmten Mikrokosmos. Doch auch Armut und Verzweiflung isolieren die Bewohner der Stadt. Skizziert werden sie von dem aus Istanbul stammenden Erzähler Orhan. Anhand von Aufzeichnungen seines ermordeten Freundes Ka, den es 1992, aus Frankfurt kommend, für wenige Tage hierher verschlagen hatte, und eigener Recherchen rekonstruiert er die Geschehnisse: Der deprimierte Dichter Ka war zur Beerdigung seiner Mutter in seine Geburtsstadt Istanbul gekommen, suchte aber in der Türkei auch eine Frau zum Heiraten. Nachdem er erfahren hatte, dass seine Jugendliebe İpek (türk.: Seide) geschieden ist und mit ihrer Schwester Kadife (türk. Samt) und ihrem Vater in Kars ein Hotel führt, macht er sich auf die Suche nach ihr. Ihr früherer Mann Muhtar ist ebenfalls eine Jugendbekanntschaft Kas und inzwischen Politiker der islamistischen Wohlfahrtspartei. Unter dem Vorwand, eine Reportage über eine Reihe von Selbstmorden Kopftuch tragender Mädchen schreiben zu wollen, mietet er sich in dem Hotel ihrer Familie ein. Es gelingt ihm, seine Schreibblockade zu überwinden und İpek näher zu kommen, wenngleich er sie später als Folge eines politischen Verrats aus Eifersucht wieder verliert: Er hatte erfahren, dass sie die Geliebte des charismatischen, im Untergrund lebenden Islamisten Lapislazuli war und diesen immer noch liebt.

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Pamuk, Orhan: Kar Kitap

  • Catharina Dufft

摘要

Der 2002 erschienene, vom Autor selbst explizit als politisch bezeichnete Roman greift gesellschaftspolitische Probleme der Türkei in den 1990er Jahren auf, projiziert auf die im Nordosten der Türkei gelegene Stadt Kars, einen durch starken Schneefall von der Außenwelt abgeschirmten Mikrokosmos. Doch auch Armut und Verzweiflung isolieren die Bewohner der Stadt. Skizziert werden sie von dem aus Istanbul stammenden Erzähler Orhan. Anhand von Aufzeichnungen seines ermordeten Freundes Ka, den es 1992, aus Frankfurt kommend, für wenige Tage hierher verschlagen hatte, und eigener Recherchen rekonstruiert er die Geschehnisse: Der deprimierte Dichter Ka war zur Beerdigung seiner Mutter in seine Geburtsstadt Istanbul gekommen, suchte aber in der Türkei auch eine Frau zum Heiraten. Nachdem er erfahren hatte, dass seine Jugendliebe İpek (türk.: Seide) geschieden ist und mit ihrer Schwester Kadife (türk. Samt) und ihrem Vater in Kars ein Hotel führt, macht er sich auf die Suche nach ihr. Ihr früherer Mann Muhtar ist ebenfalls eine Jugendbekanntschaft Kas und inzwischen Politiker der islamistischen Wohlfahrtspartei. Unter dem Vorwand, eine Reportage über eine Reihe von Selbstmorden Kopftuch tragender Mädchen schreiben zu wollen, mietet er sich in dem Hotel ihrer Familie ein. Es gelingt ihm, seine Schreibblockade zu überwinden und İpek näher zu kommen, wenngleich er sie später als Folge eines politischen Verrats aus Eifersucht wieder verliert: Er hatte erfahren, dass sie die Geliebte des charismatischen, im Untergrund lebenden Islamisten Lapislazuli war und diesen immer noch liebt.