Wahrnehmungstheorie
摘要
Die Wahrnehmungstheorie lässt sich als ein Verbund aus vielfältigen perzeptualistischen Ansätzen beschreiben, die nicht auf eine konkret zu benennende analytische Methodologie mit einem klar abgegrenzten Methodenkanon reduzierbar ist. Perzeptualistische Ansätze, mit einem Fokus auf gestaltete Artefakte, lassen sich im ästhetischen wie auch philosophisch-anthropologischen Kontext evident durch die akademische Tradition hindurch verfolgen, und sie dienen der spezifischen Wesensbestimmung des Menschen als wahrnehmendem Wesen. Antike Diskurse (vgl. Modrak 2016) charakterisieren beispielhaft die Wahrnehmungsrealität des Menschen an der Schnittstelle von Wahrnehmung (aisthesis) und Vorstellungsbewusstsein (phantasia), und innerhalb der Aufklärungsphilosophien wird diese Verhältnisbestimmung weitergehend konkretisiert (vgl. Baumgarten 2007). So werden Erfahrungen, die sich als eine spezifische Empfindung einstellen, überhaupt erst dann möglich, wenn es einen dezidiert sensorischen Strukturmoment der Erkenntnis gibt, welcher über die Sinnesmodalitäten hergestellt ist. In seiner transzendentalen Ästhetik beschreibt Immanuel Kant (1724–1804) die Sinnlichkeit demgemäß als grundlegende Voraussetzung der Erkenntnis. Sie ermöglicht Erfahrung, indem die Vorstellungskraft durch Affektion präzise Vorstellungen von Gegenständen bildet. Diese Affektion erzeugt eine Empfindung, die als subjektiver Modus des Weltbezugs verstanden wird. Eine Erkenntnis, die auf einem affizierten Gegenstand basiert, wird als Anschauung bezeichnet, die empirisch ist, wenn sie durch Empfindung vermittelt wird. Der Gegenstand der empirischen Anschauung wird als Erscheinung klassifiziert, bestehend aus Materie (Empfindung) und Form (Ordnung des Gegebenen).