Der Text untersucht die Beziehung zwischen Religion und Macht. Der erste Teil erörtert die Rolle der Religion in der Konstitution sozialer Ordnung und diskutiert dabei die Frage, wie das Verhältnis zwischen der Idee souveräner Macht und der Idee transzendenter Göttlichkeit unter den Vorzeichen der Moderne zu denken ist. Er skizziert die in diesem Zusammenhang paradigmatische Kontroverse der 1920er/1930er Jahre zwischen der Reinen Rechtslehre (Hans Kelsen) und der Politischen Theologie (Carl Schmitt). Mit einer Position der radikalen Demokratietheorie wird ein zeitgenössischer Ansatz vorgestellt, gesellschaftliche Machtverhältnisse jenseits eines Transzendenzbezugs und allein auf der Grundlage autonomer Setzung zu legitimieren. Im Zentrum des zweiten Teils steht die Macht als Aspekt religiöser Gemeinschaft. Diskutiert werden hier unterschiedliche Gottesvorstellungen, in ihrer Auswirkung auf manifeste Machtverhältnisse. Diese reicht von der Relativierung immanenter Macht durch die Denkfigur transzendenter Allmacht bis hin zur Kritik des innerweltlichen Gebrauchs der Mach im Stil der Prophetie. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf Paul Tillichs Analyse des Zusammenhangs zwischen Religion, Macht und Sinn.

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Religion und Macht

  • Annette Langner-Pitschmann

摘要

Der Text untersucht die Beziehung zwischen Religion und Macht. Der erste Teil erörtert die Rolle der Religion in der Konstitution sozialer Ordnung und diskutiert dabei die Frage, wie das Verhältnis zwischen der Idee souveräner Macht und der Idee transzendenter Göttlichkeit unter den Vorzeichen der Moderne zu denken ist. Er skizziert die in diesem Zusammenhang paradigmatische Kontroverse der 1920er/1930er Jahre zwischen der Reinen Rechtslehre (Hans Kelsen) und der Politischen Theologie (Carl Schmitt). Mit einer Position der radikalen Demokratietheorie wird ein zeitgenössischer Ansatz vorgestellt, gesellschaftliche Machtverhältnisse jenseits eines Transzendenzbezugs und allein auf der Grundlage autonomer Setzung zu legitimieren. Im Zentrum des zweiten Teils steht die Macht als Aspekt religiöser Gemeinschaft. Diskutiert werden hier unterschiedliche Gottesvorstellungen, in ihrer Auswirkung auf manifeste Machtverhältnisse. Diese reicht von der Relativierung immanenter Macht durch die Denkfigur transzendenter Allmacht bis hin zur Kritik des innerweltlichen Gebrauchs der Mach im Stil der Prophetie. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf Paul Tillichs Analyse des Zusammenhangs zwischen Religion, Macht und Sinn.