Paradox, Geheimnis, Wunder
摘要
Der Artikel umfasst drei Abschnitte: In einem ersten, hermeneutisch-historischen Analyseschritt werden exemplarische Autoren, Positionen und Theorietypen vorgestellt, die jeweils einen seiner drei Leitbegriffe (Paradox, Geheimnis, Wunder) in eine übergeordnete Konzeption mit mindestens implizit religionsphilosophischem Profil integriert haben. Behandelt werden die Paradoxkonzeptionen Paul Tillichs und Sören Kierkegaards, die Geheimnistheologien Eberhard Jüngels und Karl Rahners sowie einige typologisch, nämlich als theologisch, kosmologisch und psychologisch klassifizierte und geordnete Wundertheorien. Abschnitt zwei verfolgt, wie Abschnitt drei, systematische Interessen, zunächst allerdings rein deskriptiv, nämlich im Dienste einer semantischen Verhältnisbestimmung der drei Leitbegriffe; dabei ergibt sich: (1) Jedes Geheimnis schließt Paradoxa oder paradoxale Momente ein, aber nicht jedes Paradox ist geheimnisvoll. (2) Jedes Wunder birgt Geheimnisse, aber nicht jedes Geheimnis ist wunderbar. Ergo schließt (3) jedes Wunder paradoxe Momente ein, aber nicht umgekehrt. Der dritte und letzte Abschnitt des Artikels verfolgt mit dem Ziel einer religionsphilosophischen Relevanztaxierung der drei Leitbegriffe für eine Verteidigung der Rationalität des christlichen und/oder religiösen Glaubens epistemisch-normative Interessen. Die Argumentation läuft in Verknüpfung eines evidentialistischen mit einem nichtevidentialistisch-pragmatischen Ansatz zur Verteidigung des religiösen Glaubens auf eine doppelte Vermutung hinaus: Zum einen ist mit einer Klasse von Sätzen zu rechnen, deren mögliche Wahrheit durch ihre Unbeweisbarkeit bedingt wird: zum anderen fallen zentrale Aussagen des (hier: christlichen) Glaubens in die Klasse eben jener Sätze – und zwar speziell diejenigen Sätze, die entweder auf paradoxale Sachverhalte oder auf die Faktizität von Wundern referieren.